Blasenschwäche - Blasenstärke von Sabine Menne-Wita

von Sabine Menne-Wita

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Was genau ist Blasenschwäche?
Inkontinenz - dieses Thema war lange ein Tabu. Und das, obwohl 12 % bis 30 % aller Deutschen an Blasenschwäche leiden. Es ist gut, dass sich dies heute langsam ändert. Denn auf diese Weise können immer mehr Menschen die Erfahrung machen, dass sich  Blasenschwäche in vielen Fällen gut behandeln lässt.
Nach der Art der Symptome unterscheidet man dabei zwei Arten: Die Belastungsinkontinenz und die Dranginkontinenz. Erstere wird durch eine Druckerhöhung im Bauchraum hervorgerufen, wie es z.B. bei Husten, Lachen und Niesen vorkommt, und die betreffende Person verliert Urin, ohne vorher einen Harndrang zu verspüren. 
Unter Dranginkontinenz versteht man einen starken plötzlichen Harndrang, der oftmals zu Urinverlust führt, wenn man nicht schnell genug eine Toilette erreicht.
Natürlich gibt es auch Mischformen dieser beiden und weitere, jedoch seltenere Arten der Blasenschwäche.
Glücklicherweise findet sich in den meisten Fällen keine auslösende Erkrankung, wie z.B. Multiple Sklerose, starke Bandscheibenvorfälle, chronischer Husten, Tumore oder Rückenmarkserkrankungen. Oft ist die Ursache einfach die Geburt eines Kindes, bei der sich die Beckenbodenmuskulatur stark dehnen muss. Viele junge Frauen leiden nach der Geburt, meist vorübergehend, an einer Blasenschwäche. Nach der Menopause kommt es durch die hormonellen Veränderungen bei Frauen dann vermehrt zu Beschwerden. Körperliche Veränderungen wie z.B. Gebärmuttersenkungen können erschwerend hinzukommen.
Bei Männern ist die Prostata eine häufige Ursache. Sie hilft durch ihre Lage mit, den Blasenhals zu verschließen. Bei Vergrößerungen, aber auch nach operativer Entfernung, kann es zu einer Drang- oder Belastungsinkontinenz kommen.Doch es gibt auch psychische Auslöser: Starke verdrängte Gefühle, insbesondere Trauer, können sowohl bei Männern als auch bei Frauen zu einer Blasenschwäche führen. Immer wieder hört man den Ausdruck: „Blasenschwäche - das sind die Tränen der Seele“.
Ob die Ursachen körperlicher oder seelischer Natur sind, die Funktionsweise des Beckenbodens ist dieselbe. Dieser wichtige Muskel (eigentlich eine Muskelgruppe) liegt um den Ausgang der Blase, den sogenannten Blasenhals herum. Hier hilft er den Schließmuskeln, den Blasenhals abzuklemmen.

Was kann man tun, um wieder „blasenstark“ zu werden?
Viele Zeitschriften veröffentlichen Fotos mit Beckenbodenübungen. So entsteht schnell der Eindruck, man könne den Beckenboden durch verschiedene Bewegungen des ganzen Körpers trainieren. Aber durch die dargestellten Übungen werden meist ganz andere Muskelgruppen angespannt.
Spannt man wirklich den Beckenboden an, so kann man das von außen kaum sehen. Er ist auch nur an wenigen Stellen zu tasten. Es gibt hingegen andere Muskeln, die sich gerne mit dem Beckenboden zusammen anspannen (Gesäßmuskeln, innere Beinmuskeln, Bauchmuskeln). Damit man nun auch wirklich den Beckenboden und nicht diese anderen Muskeln trainiert, ist es wichtig, die isolierte Beckenbodenanspannung zu lernen. Bei jeder Form der Blasenschwäche muss der Beckenbodenmuskel trainiert werden. Er liegt im Inneren des Beckens und hilft beim Verschluss des Blasenhalses mit. Ist er zu schwach, kann der Blasenhals bei starken Belastungen (z.B. Husten) von den Blasenschließmuskeln allein nicht ganz geschlossen werden und es kommt zu Urinverlust.
Einen sehr schwachen Beckenboden zu spüren, ist oft schwierig.
Das Biofeedbackgerät kann hier eine große Hilfe sein. Eine Sonde im Becken macht die Spannung  des  Beckenbodens auf einem Monitor als Lichtsäule sichtbar. Auch bei ganz schwacher Muskulatur, z.B. bei Nervenerkrankungen oder Wahrnehmungsstörungen, kann diese geringe Spannung gesehen werden. So hat man die Sicherheit, dass der richtige Muskel angespannt wird und der Patient sieht auch jedes Mal seine individuellen Fortschritte. Das motiviert, weiter zu üben.
Auch wenn das kompliziert klingt: Ist die Anspannung einmal erlernt, braucht man zu Hause in das tägliche Training nur ca. 10 Minuten zu investieren. Doch die lohnen sich.
Damit der Patient oder die Patientin einmal die ganze Kraft seines Beckenbodens spüren kann, wird Elektrotherapie eingesetzt. Sie hilft ebenso denjenigen Menschen, die ihre eigene, geringe Beckenbodenanspannung nicht spüren können. Über verschiedene Ströme kann man auch direkt auf den Muskel der Harnblase (Blasenmuskel) einwirken. Er liegt um die Harnblase herum und dehnt sich bei zunehmender Füllung der Blase aus. Bei der Dranginkontinenz gibt er fälschlicherweise schon bei geringen Harnmengen eine volle Blase an. Ein sehr starker Drang ist die Folge. Die Elektrotherapie entspannt den Blasenmuskel, sodass er sich besser dehnen kann.
Bei starkem Harndrang ist die Arbeit mit einem sogenannten Miktionskalender eine gute Unterstützung: Hier werden über einen gewissen Zeitraum die Trinkmenge, die Urinmenge und eventuelle Urinverluste zu den entsprechenden Uhrzeiten eingetragen. Auf diese Weise werden Toilettengänge, die nur der Vorsorge dienen oder aus Gewohnheit stattfinden, erkannt. Wenn die Kraft des Beckenbodens durch das Training zunimmt, können diese Toilettengänge wegfallen. Der zunehmende Abstand der Toilettengänge trainiert die Blase, die sich dabei wieder mehr dehnen muss. Im Lauf der Behandlung kann der Harndrang länger ausgehalten und besser kontrolliert werden. Durch einen kräftigeren Beckenboden wiederum entspannt sich auch der Blasenmuskel -  Der Regelkreis fängt an, sich zu normalisieren.
Viele Menschen trinken bei Blasenschwäche zu wenig aus Angst, viel Flüssigkeit könnte das Problem noch verstärken. Auch das ist dann im Miktionskalender zu sehen. Zu viel Kaffee allerdings kann eine Drangsymptomatik tatsächlich verstärken.
Auch im Alltag kann man viel für seinen Beckenboden tun: Man sollte ganz vermeiden schwere Gewichte zu tragen. Leichtere Gewichte sollte man rückenschonend heben, das bedeutet in die Knie gehen und den Gegenstand mit geradem Rücken nahe am Körper tragen. Dabei immer den Beckenboden anspannen.
Gerade junge Mütter möchten nach der Schwangerschaft nicht nur ihren Beckenboden zurückbilden, sondern auch ihre Figur wieder verbessern und den Bauch trainieren. Leider kann es sein, dass ein schon schwacher Beckenboden durch Bauchmuskelübungen (z.B. Sit-ups) noch weiter geschwächt wird.
Die Hypopressive Therapie ist eine spezifische Form des Trainings, die dem entgegenwirkt. Hier werden die Bauchmuskeln nicht aktiv angespannt, sondern Bauchmuskeln und Beckenboden werden über gehaltene Positionen und spezielle Atemtechniken aktiviert. So entsteht kein Druck im Bauchraum und der Beckenboden kann nicht überdehnt werden. Ist er erst einmal wieder kräftig, sollte er bei jeder Bauchmuskelübung mit angespannt werden.

Wie kann nun eine ganzheitliche Behandlung der Blasenschwäche aussehen?
Häufige Blasenentzündungen, depressive Verstimmungen und viele andere Erkrankungen können eine Blasenschwäche begleiten. Ebenso vielfältig sind die Ursachen für diese Erkrankung. Eine Möglichkeit, alle diese Faktoren zu beleuchten und in eine ganzheitliche Behandlung einzubinden, gibt die Homöopathie:
Es gibt einige homöopathische Mittel, die einen Bezug zur Blase haben. Als sogenannte Akutmittel werden sie häufig eingesetzt und wirken dann oft sehr schnell. Um möglichst den ganzen Menschen und seine Neigung zur Blasenschwäche zu behandeln, bedarf es aber eines konstitutionellen Mittels, das auch zur Persönlichkeit und zum seelischen Zustand des Patienten passt. Dieses Mittel findet man durch eine ausführliche Befragung (Anamnese). Hierbei werden die genauen Symptome der Blasenschwäche sowie Gewohnheiten, seelische Befindlichkeiten, Begleiterkrankungen und vieles Weitere genau erfragt.
Das Schöne an der Homöopathie ist, dass das passende Mittel auf alle Bereiche wirken kann. Diese ganzheitliche Behandlungsform ermöglicht sowohl die körperlichen als auch die seelischen Symptome gleichzeitig zu behandeln und so für eine langfristige und anhaltende Verbesserung zu sorgen.

Sabine Menne-Wita

Autorin: Sabine Menne-Wita
Heilpraktikerin
Physiotherapeutin
Ganzheitliche Begleitung
bei Blasenschwäche

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