Carmen Gaadt und Bernhard Fischer

Ingeborg Becker

Carmen Gaadt
Dipl. Psychologin,
Körper-, Kunst- u.
Musiktherapie
Tanztherapie, Coaching
Bernhard Fischer
Heilpraktiker für Psychotherapie,
Core Energetik Therapie,
körperorientierte Psychotherapie
Einzel- , Paar- und Gruppenarbeit.

Praxis Gemeinsame Wege
Guntramstr. 28
79106 Freiburg
Tel: 0761 / 40 19 250
www.gemeinsame-wege.de

LEITARTIKEL: Gefühle machen Sinn - Vom Umgang mit negativen Gefühlen

von Carmen Gaadt und Bernhard Fischer

Ingeborg Becker

Ein Leben ohne Trauer, Furcht und Wut, aber auch ohne Freude, Glück und Lieben ist für uns Menschen nicht vorstellbar. Unsere Gefühle sind für uns Würze und Sinn, sie machen unser Leben gehalt- und bedeutungsvoll.
Dabei ist es immer wieder gar nicht so einfach mit dem Fühlen.
Wir versuchen ständig, „negative“ Gefühle zu vermeiden. Wir erlauben uns nicht, wirklich wütend zu werden, wir drücken aufsteigende Tränen weg, und wer gibt schon gerne zu, dass er oder sie gerade Angst hat.
Wem dies nicht gelingt, wer immer wieder vom Strudel seiner starken Gefühle mitgerissen wird, hat es schwer, stabile und tragfähige Beziehungen zu gestalten. Auch sind die Nachrichten voll von dem Grauen, das Menschen anrichten, die sich von ihrer Wut, ihrem Hass oder ihrer Machtgier haben leiten lassen.
Der Appell an unsere „Gutheit“, der schon in der Kinderstube beginnt, und den wir als Moral und Gewissen verinnerlichen, sagt uns zwar, was „gut“ und „böse“ ist, allerdings hilft uns das nicht dabei, ausschließlich positive Gefühle zu haben, oder die negativen Gefühle zu verwandeln.
Aber wir alle haben gelernt, unsere nicht willkommenen Gefühle zu verbergen, vor anderen und auch vor uns selbst. Wir haben im Laufe unserer Entwicklung eine Schutzmauer um all die unangenehmen und oft nicht aushaltbaren inneren Zustände von Schmerz, Wut, Angst, Eifersucht, etc. errichtet.
Diese Schutzmauer funktioniert meist so perfekt, dass wir weder die Zustände hinter der Mauer noch die Mauer selbst wahrnehmen.
Aber manchmal können wir wahrnehmen, dass sich unser Leben vor dieser Mauer nicht wirklich gehalt- und kraftvoll, nicht reich und lebendig anfühlt.
Das liegt zum einen daran, dass die Mauer auch den freien Fluss der angenehmen Energien und Gefühle behindert. Zum anderen benötigt der Unterhalt der Mauer Energie, die dann nicht mehr für anderes zur Verfügung steht. Auch wenn wir nichts davon merken und z. B. chronische Muskelspannungen nicht einem emotionalen Geschehen zuordnen. 

Das Gefühl taucht auf, der Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt und in diesem Stress-Zustand übernehmen Gehirnregionen die Regie, die nicht für ruhiges Nachdenken oder Lernen zuständig sind. Lernen unter Stress ist enorm schwierig.

Was kann uns dabei helfen, konstruktiver mit unseren negativen Gefühlen umzugehen?

Wie schaffen wir es, das Reaktionsrepertoire bezgl. unserer Gefühle zu erweitern?

Wichtig ist erst mal die Reduktion des Stresslevels im Moment des Fühlens.
Dies können wir erreichen, indem wir eine Zeit des Lernens in Anwesenheit einer Sicherheit gebenden und im Umgang mit Gefühlen vertrauten Person verbringen. Und wir können uns selbst  beruhigen mit Hilfe von Ressourcenarbeit, durch das Erlernen von Atem - und Körperspürtechniken und durch Klärung unserer Absicht und des Weges, der zum gewünschten Ziel führt.
Im Weiteren können wir lernen, zu unterscheiden, wann wir es mit einem aktuellen Gefühl zu tun haben und wann ein auftauchendes Gefühl eigentlich zu etwas Vergangenem gehört (der Blick hinter die Mauer). Gefühle aus der Vergangenheit sind meist sehr intensiv und nicht gut aushaltbar. 

Tatsächlich können wir nicht die unangenehmen Gefühle vermeiden und die angenehmen umso mehr genießen.

Wir können nur alle Gefühle mehr oder weniger fühlen, mehr oder weniger stark drosseln.

Wenn wir ein reicheres und sinn- volleres Leben anstreben, sind wir also herausgefordert, mit unseren Gefühlen auf eine andere Weise umzugehen. Es geht dabei darum, die Gefühle weder zu unterdrücken und „wegzumachen“, denn damit reduzieren wir unser Leben, noch, uns von ihnen beherrschen und mitreißen zu lassen, denn damit richten wir Unheil an. Hier ist also ein Lernprozess nötig, eine Erweiterung unseres Repertoires im Umgang mit den Gefühlen.
Das ist allerdings nicht ganz einfach. Denn wenn wir beginnen, uns unserer Gefühlswelt zuzuwenden, kommen wir auch zwangsläufig  in Kontakt  mit dem, was sich hinter unserer Schutzmauer befindet. Und da kommt oft erst mal eine große Angst auf, die uns sagt: „es ist zu groß, es geht nicht, ist nicht aushaltbar“.
Und wenn wir uns ein Herz fassen und uns trotzdem auf das Fühlen einlassen, stehen wir vor einer weiteren Herausforderung:
Sobald wir nämlich ein unangenehmes Gefühl fühlen, ist es schwer, „kühlen Kopf“ zu bewahren, d.h., das Gefühl erst mal wahrzunehmen, wirken zu lassen und dann bewusst  zu entscheiden, ob und wie wir auf das Gefühl reagieren wollen.
Denn sobald das Gefühl auftaucht, bereitet das Gehirn den Körper darauf vor, ganz schnell in Aktion zu treten. Das ist ein über Jahrtausende automatisierter Prozess, der dem Menschen das Überleben sicherte. Wenn ein Reiz (z.B. eine äußere Gefahr) ein Gefühl auslöste (z. B. Angst oder Wut), hing das Überleben davon ab, schnell abzuwägen und zu reagieren – zu fliehen oder zukämpfen.
Heutzutage  werden unsere unangenehmen Gefühle meist nicht von wilden Tieren auslöst, dennoch reagiert unser Gehirn, als befänden wir uns noch in der Steinzeit.

Ingeborg Becker

Auch häufig wiederkehrende Gefühlssituationen oder Gefühle, bei denen wir selbst merken, dass sie der Situation nicht angemessen sind, gehören meist zur Vergangenheit.
Und hier liegt ein weiterer wichtiger Sinn des Fühlens verborgen:
Diese alten, wiederkehrenden Gefühle weisen auf etwas Tieferes hin, auf Verletzungen, die noch nicht geheilt sind und Aufmerksamkeit brauchen.
Indem wir – in sicherem Rahmen – die Gefühle erlauben und durchleben, kann das Dahinterliegende durchscheinen, bewusst werden und Heilung finden.
Und schließlich erweitern wir unsere „emotionale Kapazität“ durch das Wiederholen der Erfahrung, dass wir ein Gefühl nicht nur aushalten können, sondern dass es uns dient, unsere tieferen Bedürfnisse besser wahrzunehmen. So wie wir unsere Körpermuskeln trainieren, können wir auch den „Gefühlsmuskel“ trainieren.
Dies alles befähigt uns, Gefühle stärker zu fühlen, deutlicher wahrzunehmen und mit Hilfe unseres Verstandes zu entscheiden, ob und wie wir jeweils reagieren wollen.
Dadurch wird unser Leben reicher und intensiver und zugleich bewusster und freier.

Bildnachweis
Artikel - Gefühle machen Sinn
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