Partnerschaft als Entwicklungsaufgabe

Von Carmen Gaadt und Bernhard Fischer

Carmen Gaadt & Bernhard Fischer

Carmen Gaadt
Dipl. Psychologin, Körper-,
Kunst- und Musiktherapie
Tanztherapie, Coaching

Bernhard Fischer
Heilpraktiker für Psychotherapie,
Core Energetik Therapie,
körperorientierte Psychotherapie

Einzel-, Paar- und Gruppenarbeit.

Praxis Gemeinsame Wege
Guntramstraße 28
79106 Freiburg
Telefon: 0761 4019250
www.gemeinsame-wege.de
info@gemeinsame-wege.de

 

Partnerschaft als Entwicklungsaufgabe – Ein weiblicher Blick

Von Carmen Gaadt

„Frau-sein“ heißt, sich als Schöpferin des Lebens zu erkennen und zu ermächtigen.

Die Zeit, in der wir leben, stellt hohe Ansprüche und wir lernen selten, was das eigentliche Wesen von Mann und Frau wirklich ist. Frauen sind rezeptive Wesen, sie brauchen Nahrung auf allen Ebenen: Kontakt, Austausch, Berührung, Sexualität und so weiter. Um genährt werden zu können, ist jedoch die Fähigkeit zu empfangen notwendig und das steht im Widerspruch zu dem „Erfolgreich-tun“ des Alltagsstresses.

Im Zusammenspiel mit Männern entstehen dabei ungewollt Konflikte: entweder versuchen wir Frauen, ein noch besserer Mann zu werden, um gesellschaftlich anerkannt und gleichgestellt zu werden, oder wir behaupten uns als Mutter und Liebende, was oft mit Abhängigkeit und mangelnder Anerkennung gekoppelt ist. In einer Partnerschaft prallen dann unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander, und beide Partner kämpfen für ihr Recht, so sein zu dürfen.

Die Kunst ist es, nicht darüber zu streiten, wer Recht hat, sondern anzuerkennen, dass es so ist – unterschiedlich!

In meiner Geschichte über zwei Ehen mit Kindern, Patchwork-Situationen und meinem Entwicklungsweg zu mir selbst habe ich gelernt, dass die größte Entwicklungsaufgabe ist, erst einmal in Harmonie und Frieden mit mir selbst zu kommen:

Mich so anzunehmen wie ich bin und es nicht an meinen Partner zu delegieren, dass er mich bestätigt.

Mir die Liebe und Fürsorge selber zu geben, die ich früher so dringend von meinem Partner gefordert habe.

Eine klare Position von Ja oder Nein einnehmen zu können, ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu haben – und die Verantwortung dafür nicht mehr auf meinen Partner zu schieben.

Wenn ich mit mir einverstanden bin, Ja sagen kann zu meinen Stärken und Schwächen, kann ich aufhören, dafür zu kämpfen, dass Er mich doch lieben soll, wie ich bin. Dann kann ich wahrscheinlich auch seine Eigenarten stehen lassen. Denn vielleicht sind es auch genau die Dinge, dich ich früher an ihm so anziehend fand!

Mein Partner ist der Spiegel meiner Verletzlichkeiten. Er zeigt mir auf, wo es noch Heilung braucht, wenn ich mich wieder einmal unverstanden, ungeliebt oder missachtet fühle. Er ist aber nicht der, welcher es in meinem Inneren heilen kann!

Annehmen dessen was ist, anstatt für oder gegen etwas zu kämpfen.

Im Kämpfen fühlen wir uns alleine auf unserer Seite. Das, was wir uns aber wünschen, ist Verbindung und Miteinander. Meiner Ansicht nach ist es eine der wesentlichen weiblichen Entwicklungsaufgaben in einer Partnerschaft, sich nicht abhängig zu fühlen – egal in welcher Ebene: finanziell, emotional, körperlich. Denn Abhängigkeit lässt uns klein und schwach fühlen. Dann sind wir als Frau auch kein attraktives Gegenüber für einen Mann. Hingabe an uns selbst, die Liebe, das Leben und den Menschen, den wir uns ausgesucht haben, öffnet das Herz und gibt Sicherheit.

Partnerschaft als Entwicklungsaufgabe – Eine männliche Perspektive 

Von Bernhard Fischer

Männer haben‘s schwer, nehmen‘s leicht
Außen hart und innen ganz weich
Wann ist Mann ein Mann?
Herbert Grönemeyer

Eine Beziehung und vor allem die Erotik einer Beziehung leben von der Anziehung der Gegensätze, also von einer starken und gesunden Polarität. Was aber ist das Wesen der Pole? Was bedeutet es, ein Mann oder eine Frau zu sein?

Oft beginnen Männer, sich mit sich selbst und der Frage nach ihrem Mann-Sein dann tiefer auseinanderzusetzen, wenn etwas nicht mehr funktioniert in ihrem Leben, wenn z. B. ihre Partnerschaft in die Krise geraten ist. „Es“ nicht mehr „im Griff“ zu haben, ist dann erst mal eine schwierige Erfahrung. Eine, die verunsichert, weil bisher bewährte Lösungsstrategien versagen. Aufgewachsen in eher frauenbetonten Umfeldern (häufig klassische Rollenverteilung in der Herkunftsfamilie, Erzieherinnen im Kindergarten, Lehrerinnen in der Grundschule) und ohne wirkliche männliche Vorbilder schwanken Männer in ihrer Verunsicherung dann zwischen dem Rückgriff auf ein altes, überholtes Männerbild und der Anpassung an die Wünsche und Forderungen ihrer Frauen. Dabei spüren sie sich oft selbst nicht wirklich und haben meist auch erstaunlich wenig Zugang zu ihren Gefühlen. Oder aber sie lassen sich von ihren Gefühlen mitreißen und nehmen keine Verantwortung dafür.

Was bräuchte Mann?

Den Mut und die Unterstützung durch andere Männer, seine eigene Tiefe auszuloten, sein inneres Kind, seine Verunsicherung und seine Verletzungen liebevoll selbst an die Hand zu nehmen und seine ihm innewohnende Kraft, Kreativität, Zielgerichtetheit und Beharrlichkeit zu bejahen, zu entfalten und zum Wohle aller Beteiligten einzusetzen.

Wer sich auf diesen Weg begibt, wird unabhängiger von seiner Partnerin. Er erwartet nicht mehr so sehr, dass sie ihn bestätigt und ihm gibt, was er braucht (was Gift für das Begehren und die Erotik ist!). Und er muss sich auch nicht mehr so hart abgrenzen und sich zurückziehen, wenn die Partnerin ihrerseits mit ihren Bedürfnissen, Erwartungen und Kritik den Raum füllt. Und nicht zuletzt findet der Mann, der sich auf die Suche nach sich selbst und seiner Männlichkeit macht, irgendwo auf dem Weg seinen tieferen Lebens-sinn, den wahren Grund seines Daseins, was für mich ein ganz wesentlicher Teil von Mann-Sein ist.

Sich mehr als „ganzer Mann“ erlebend, kann er der anziehende Gegenpol für seine Partnerin werden, der nicht mehr kämpft ums Rechthaben oder um die Befriedigung seiner Bedürfnisse (nicht nur im Sex), sondern der seiner Frau ermöglicht und sie auch herausfordert, in ihr Frau-Sein, in ihre Hingabe an sich selbst und das Leben hineinzuwachsen.

Gemeinsame Wege

In unserer Arbeit und in unseren Seminaren unterstützen wir Frauen und Männer darin, die in ihren Beziehungen auftauchenden Schwierigkeiten als Chance und positive Herausforderung zu erleben. Der Partner ist dann nicht mehr länger „Gegner“, sondern Mitspieler in einer Art Tragikkomödie mit dem Titel „Liebe lernen“. Dadurch können die Beteiligten sich selbst und ihrem Gegenüber wertschätzender in ihren Schwächen, aber auch in ihrem ganzen Entwicklungspotenzial begegnen. 

Das nächste Paarseminar „Partnerschaft als Entwicklungsaufgabe“ findet vom 29. – 30. September 2018 statt. Info unter www.gemeinsame-wege.de