Miriam Henninger

Miriam Henninger

fairjeans OHG
Miriam Henninger
Vaubanallee 13a
79100 Freiburg
www.fairjeans.de

Wie giftig ist unsere Kleidung

nia Freiburg

Interview mit Miriam Henninger, Gründerin von fairjeans OHG

Frau Henninger, sie beschäftigen sich schon seit einiger Zeit mit dem Thema ökologische Produktion von Bekleidung, warum?
Ich bin Diplom-Modedesignerin und habe als solche viele Jahre in der textilen Produktentwicklung gearbeitet. Da bekommt man viel mit über den Herstellungsprozess. Es kommt wahnsinnig viel Chemie zum Einsatz. Ca. 90% der in Deutschland verkauften Textilien werden in sogenannten Billiglohnländern in Süd-Ost-Asien hergestellt. Dort wird aus Unwissenheit und mangels Umweltvorschriften im Umgang mit diesen Chemikalien sehr viel falsch gemacht. Dadurch landen die Giftstoffe in der Umwelt, oder auf unserer Haut. Das kann viele Krankheiten begünstigen oder auslösen.
Außerdem sind die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie für viele Beschäftigte extrem schlecht.

Sind fair gehandelte Produkte automatisch auch Bioprodukte und umgekehrt?
Nein, so ist es leider nicht. Dieses Thema hat viele Aspekte, einmal den gesundheitlichen, den ökologischen, der dann wieder auf unsere Gesundheit zurückfällt und den moralischen Aspekt, denn die Menschen in den Herstellungsländern leiden ja sehr durch die Umstände in der konventionellen Textilproduktion.
Bio-Bekleidung setzt darauf, Giftstoffe bei der Herstellung und im fertigen Kleidungsstück zu vermeiden.
Bei fair Trade Bekleidung geht es in erster Linie darum, dass alle Menschen, die an der Herstellung der Bekleidung beteiligt sind, ein menschenwürdiges Leben führen können und keinen Gefahren ausgesetzt sind. Und sie müssen sich Kraft ihrer Arbeit selbst versorgen können.
Ich persönlich finde aber, diese Zusammenhänge lassen sich nicht trennen. Ein fair Trade Bekleidungsstück muss auch umweltfreundlich hergestellt sein und umgekehrt, denn fair zum Menschen bedeutet auch fair zur Umwelt.

Wenn ich Bekleidung aus Bio-Baumwolle kaufe, kann ich mich dann darauf verlassen, dass sie schadstofffrei ist?
Nicht wirklich, denn es muss stets die gesamte Produktionskette eines Kleidungsstücks betrachtet werden. Die Bezeichnung „Bio-Baumwolle“, bedeutet ausschließlich, dass die Baumwolle unter biologischen Gesichtspunkten angebaut wurde. Damit ist schon viel gewonnen. Jedoch nützt Ihnen die eingesetzte Bio-Baumwolle fast nichts, wenn sie anschließend konventinell weiterverarbeitet wird, denn beim Spinnen, Weben und Färben kommen wieder Chemikalien zum Einsatz, die gesundheitlich sehr bedenklich sein können.

Es gibt verschiedene Siegel, die dazu geschaffen wurden, gewisse Standards bei der Bekleidungsproduktion festzulegen und zu garantieren. Die guten Siegel beurteilen stets den gesamten Herstellungsprozess.
Die meiner Meinung nach besten Siegel sind GOTS und IVN, die v.a. auf die biologische Herstellung der Textilien prüfen. Das Fair Wear Siegel legt den Schwerpunkt auf die Arbeitsbedingungen der Textilarbeiter.

Wie unterscheidet sich denn der Bio-Anbau vom konventionellen Anbau der Baumwolle?
Man muss erst einmal wissen, dass nur auf 2,6% der fruchtbaren Ackerfläche weltweit Baumwolle angebaut wird. Laut GOTS werden 16% aller Insektizide und 10% aller Pestizide im Baumwollanbau eingesetzt. Das heißt 10-16% aller Pflanzenschutzmittel werden auf nur 2,6% der Anbaufläche verwendet. Das ist purer Wahnsinn. Denn dort vergiften sie Menschen und Umwelt. 77 Millionen Feldarbeiter leiden jährlich an Vergiftungsfolgen durch Pestizide und über 80% des hergestellten Stickstoffdüngers für Feldfrüchte landen am Ende ungenutzt in der Umwelt. Durch den hohen Energie- und Wasserverbrauch beim konventionellen Anbau werden über 90% CO2 mehr in die Atmosphäre abgeleitet im Vergleich zur Bio-Baumwolle.
Beim Bio-Anbau sind gefährliche Pestizide grundsätzlich verboten. Es wird viel weniger Energie und Wasser verbraucht und es gibt viel weniger Treibhausgasemissionen.
Die Bauern, die konventionelle Baumwolle anbauen, machen sich abhängig von genetisch verändertem Saatgut, das von wenigen großen Konzernen bereitgestellt wird und sehr teuer ist. Diese Monokulturen zerstören die Böden.
Bio-Baumwollanbau setzt auf Mischkulturen, um die Böden fruchtbar zu halten. Das hat auch den angenehmen Nebeneffekt, dass sich die Bauern mit den Zwischenfrüchten selbst ernähren oder sich ein zweites Standbein schaffen können. Die Bio-Baumwolle wird selbst vermehrt. Dadurch werden die Bauern unabhängiger.

Welche gefährlichen Giftstoffe stecken denn in Textilien?
Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Quecksilber finden in Farbstoffen und Pigmenten sowie bei der Ausrüstung von Textilien Verwendung. Die Schwermetalle können sich im Körper anreichern und dadurch zu irreversiblen gesundheitlichen Schäden führen. Blei und Quecksilber greifen das zentrale Nervensystem an, Cadmium schädigt die Nieren und gilt als Krebsauslöser. Schwermetalle belasten zudem die Umwelt und werden vom Umweltbundesamt als "prioritär gefährliche Stoffe" eingestuft.

Ist es nicht so, dass sich diese Giftstoffe auswaschen?
Ja, viele Gifte waschen sich mit der Zeit aus, aber das bringt auch Probleme mit sich. Ein Beispiel:
Im Rahmen einer Studie der Stockholm University wurden 60 verschiedene Kleidungsstücke gewaschen und dann der Belastungsgrad des Abwassers gemessen. Einige der Giftstoffe sind nach dem Waschen in hoher Konzentration in den Textilien verblieben, andere wurden ausgewaschen, was zwar dem Träger der Kleidung zu Gute kommt, dafür aber ein hohes Risiko in puncto Wasserverschmutzung mit sich bringt.

Die Gruppe der Nonylphenolethoxylate (NPE oder NPEO) wird in der Textilindustrie bei Reinigungs- und Färbeprozessen verwendet. Sie sind wasserlöslich und zerfallen nach kurzer Zeit in Nonylphenol (NP), das für viele Wasserorganismen (z. B. Seelachs) giftig ist, in der Umwelt kaum abgebaut werden kann und sich letztendlich im Körpergewebe des Menschen anreichert.

Was raten sie denn dem Verbraucher, der chemiefreie Bekleidung kaufen möchte?
Laut dem Statistischen Bundesamt werden allein in Deutschland pro Jahr 70 Milliarden Euro für Kleidung ausgegeben.
Hier offenbart sich die Problematik der sogenannten "Fast Fashion", denn 40 Prozent der Kleidungsstücke werden vielleicht ein einziges Mal getragen und fristen dann ihr klägliches Dasein als Schrankhüter. Durch Spottpreise für Bekleidung ist Shoppen längst zum Hobby der Massen geworden.
Tipp 1: Entscheiden Sie sich für bio-faire Mode.
Wenn Sie ökologische und faire Bekleidung kaufen, leisten Sie einen Beitrag zum Umweltschutz und tun Ihrer Haut etwas Gutes. Gleichzeitig sorgen Sie dafür, dass Textilarbeiter nicht ausgebeutet werden.
Tipp 2: Kaufen Sie bei Marken, die ausschließlich Bio-Mode anbieten.
Es macht mehr Sinn bei einer Marke zu kaufen, die sich bewusst für eine echte Veränderung in der Bekleidungsproduktion einsetzt. Denn große Marken betreiben durch ein meist nur geringes Angebot von Bio-Bekleidung sogenanntes Greenwashing aus Imagegründen.
Tipp 3: Achten Sie auf Ökosiegel.
Es gibt leider kein einheitliches gesetzlich geschütztes Bio-Siegel. Es hängt somit von Ihren Ansprüchen ab, für welches Ökosiegel Sie sich entscheiden. Greenpeace hat die folgenden beiden Siegel am besten bewertet:
IVN Best: Die Kleidung wurde zu 100 Prozent aus Natur-Fasern aus kontrolliert biologischem Anbau gefertigt. Es kommen keine Kunstfasern zum Einsatz.
GOTS: Das Siegel beleuchtet die gesamte textile Kette, vom Anbau bis zum fertigen Kleidungsstück, das zu 90% aus Naturfasern bestehen muß. Umweltschädliche Chemikalien sind verboten oder nur bis zu absolut unbedenklichen Grenzwerten erlaubt, sofern die Chemikalien in gewissen Prozessen unverzichtbar sind.
Tipp 4: Halten Sie nach kleinen Labels Ausschau.
Immer mehr junge Designer wollen eine Veränderung in die Wege leiten. Sie haben hohe Ansprüche an Ökologie und Nachhaltigkeit.
Tipp 5: Studieren Sie das Etikett.
"Farbe blutet aus" oder "Separat waschen" sind sichere Zeichen für mangelnde Farbechtheit und mögliche Hautreizungen. "Bügelfrei" oder "Knitterfrei" geben einen Hinweis darauf, dass giftige Chemie mit im Spiel ist. Steht auf der konventionellen Jeans "Used Look", ist es sehr wahrscheinlich, dass die Arbeiter mit Quarzstaub hantieren mussten, der zu einer tödlichen Lungenkrankheit führt.

Tipp 6: Augen auf bei Outdoor-Kleidung.
Um die Textilien wind- und wetterfest zu machen, kommen oft Giftstoffe wie PFC zum Einsatz. Diese können sowohl bei der Herstellung als auch beim Tragen der Kleidung
in die Umwelt gelangen. Greenpeace hat auf drei Kontinenten Schnee- und Wasserproben in entlegenen Bergregionen genommen und auf Rückstände untersucht: An allen Test-Orten konnte PFC nachgewiesen werden. Wer also nicht gerade eine Polarexpedition im Sinn hat, sollte auf eine derartige Bekleidung verzichten.
Tipp 7: Riechen Sie an der Kleidung.
Sollten Kleidungsstücke oder Schuhe stark "nach Chemie" riechen, können Sie mit Sicherheit davon ausgehen, dass sie stark behandelt wurden.
Tipp 7: Riechen Sie an der Kleidung.
Sollten Kleidungsstücke oder Schuhe stark "nach Chemie" riechen, können Sie mit Sicherheit davon ausgehen, dass sie stark behandelt wurden.
Tipp 8: Waschen Sie neue Kleidung immer vor dem ersten Tragen.
Waschen Sie neue Kleidung immer vor dem ersten Tragen. Werden neue Kleidungsstücke vor dem ersten Tragen gewaschen, werden zumindest all jene Schadstoffe ausgespült, die mit den Fasern nicht fest verbunden sind. Denn winzige Moleküle können durch die Haut in den Körper eindringen.
Tipp 9: Slow Fashion ist mehr als ein Zeichen.
Slow Fashion steht im Gegensatz zur Fast Fashion für eine nachhaltige und entschleunigte Mode. Deutsche Verbraucher haben heute vier Mal so viel Kleidung im Schrank wie noch 1980. Dabei wird 40% dessen, was im Schrank hängt selten oder nie getragen. Gehen Sie in Zukunft bewusster shoppen, ganz nach dem Motto: Klasse statt Masse. Nutzen Sie Ihre Kleidung so lange es geht, machen Sie nicht jeden Modehype mit. Pflegen Sie Textilien so, dass sie lange halten.
Wie Sie sehen, stehen jedem Verbraucher selbst viele Wege offen, um sich vor Giftstoffen in Textilien und in der Kleidung zu schützen, zum Umweltschutz beizutragen und sich den ausbeuterischen Machenschaften der Mode-Lobby entgegenzustellen.

Frau Henninger, Sie selbst haben im November 2015 in Freiburg das faire Bio-Jeanslabel fairjeans mitgegründet. Sagen Sie uns doch ein bisschen mehr dazu.

Mit fairjeans haben wir uns zum Ziel gesetzt, eine nachhaltige Alternative zur konventionellen Jeans zu bieten, da speziell Jeans sehr oft unter absolut menschenunwürdigen Bedingungen und unter enormem Einsatz von Chemikalien hergestellt werden. Das kommt vor allem durch das sogenannte "Veredeln" zustande. Dabei werden Jeans oft heruntergewaschen, bzw. kaputt gemacht, damit sie den in der Mode sehr begehrten Used-Look erhalten. Diese Kleidungsstücke halten natürlich auch nicht besonders lange und landen vorzeitig im Müll.
Dem möchten wir etwas entgegensetzen.
Wir bieten zeitlose klassische Modelle für Männer und ab Mai 2017 auch für Frauen an. Haltbarkeit ist für uns ein wichtiger Faktor. Damit die fairjeans absolut frei von Giften ist, wird die gesamte Produktionskette GOTS überwacht.
Wir haben uns zudem entschieden, ausschließlich in Europa zu produzieren, nach europäischen Sozialstandards bei

Bildnachweis:
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Fotos mit fairjeans - Walter Blauth