Positive Neuroplastizität - Nimm das Gute in dich auf!

von Manuela Heisler

Positive Neuroplastizität, ja man kann es fast nicht aussprechen und auch nicht leicht fehlerfrei schreiben. Auch „Selbstgesteuerte“ Neuroplastizität ist treffend, da es sich um einen Trainingsprozess handelt, der als Zielsetzung eine Verankerung positiver mentaler Zustände im Gehirn hat und uns damit hilft, mehr Sinn und Erfüllung, Kreativität und Leistungsfähigkeit, Verbindung und Zugehörigkeit in unserem Dasein zu entdecken.
In der Menschheitsentwicklung waren Überlebenstechniken wie z.B. Gefahren zu erkennen, lebensnotwendig, die das Gehirn vorrangig mit negativen Erfahrungen gespeist und dadurch eine Vernetzung negativer Strukturen hervorgerufen haben. Ein solches Gehirn scheint eher für das Vermeiden als für das Annähern geschaffen zu sein, es enthält eine automatisierte Tendenz zur Aufnahme des Negativen. In unserem modernen Leben erweisen sich diese alten Muster und Schaltkreise oft als starke Begrenzung für unsere Bewusstheit im Sein, vor allem behindern sie eine positive Gehirnentwicklung und beschränken dadurch auch unsere Lebensqualität. Sie bestimmen, welche Erfahrungen wir wahrnehmen oder festhalten, was und wie wir denken, fühlen und tun.

Die Informationen, die unser Nervensystem überall hinschickt, bilden vereinfacht ausgedrückt den „Geist“. Dem Feld des „Geistes“ - Sanskrit: Citta (Yoga-Philosophie) - ordnen wir Wissen, Hoffnungen, Erinnerungen, Vorstellungen, Träume und alle Signale zu, die „Stress“ regulieren. „Der Geist ist das, was das Gehirn tut“ wird von Rick Hanson als vertretbare Arbeitshypothese betrachtet und lenkt das Hauptaugenmerk  auf die Gehirnentwicklung, die nach neuester Forschung niemals zu enden braucht.

„Wenn Sie Ihr Gehirn verändern, verändern Sie Ihr Leben.“
Durch Meditation, Achtsamkeit und auch Positives Neuroplastizitätstraining (PNT) vermehrt sich, so zeigt die Hirnforschung, die Graue Substanz in der Insula, im Hippocampus und im präfrontalen Cortex.
Bei Stress wird die Produktion von Cortisol in den Nebennieren angefeuert und die Amygdala („Alarmglocke“) stimuliert, während gleichzeitig eine Hemmung des Hippocampus bewirkt wird (Aufgabe: Verarbeitung von Emotionen, Speicherung von Bedrohung und Anreizbildung für neue Erinnerungen). Wenn Sie ein glücklicherer Mensch werden, nimmt die Aktivität der linken Frontalregion Ihres Gehirns zu.
Rick Hanson entwickelte als bekannter amerikanischer Neuropsychologe, Meditationslehrer, Autor und Gründer des Wellspring Institute for Neuroscience and Contemplative Wisdom ein methodisches Konzept zur „Selbstgesteuerten Neuroplastizität“.

„Neurons that fire together wire together.“
Wenn Zellen gemeinsam feuern, verdrahten sie sich, so formulierte der Psychologe Donald Hebb die Erkenntnis, dass jede geistige Aktivität neue neuronale Strukturen erzeugt. Neuroplastizität ist die körpereigene Bedingung dafür, dass wir neue und gute Erfahrungen nutzen können, um alte neuronale Strukturen zu ersetzen durch eine aktuelle Neu-Verdrahtung.
Wollen wir dauerhaft unser Wohlbefinden erhalten oder sogar steigern, dann ist es sinnvoll, die guten Erfahrungen aus unserem Alltag zu vertiefen, um mit dieser Neu-Vernetzung den Alltag in einer heilsamen und energievollen Art zu leben und nicht nur zu bewältigen. In diesem Zusammenhang unterstützt uns auch das Verständnis, wie unser Gehirn funktioniert, wie wir es positiv beeinflussen können, um selbst am Steuer zu sitzen, um mit Kompetenz zur Regulation befähigt zu werden. Wenn eine solche Entfaltung stattfinden kann, wächst auch unser Vertrauen, dass wir selbst zu neuen neuronalen Vernetzungen in der Lage sind. Wir wachsen gleichzeitig in unseren inneren Stärken bzw. werden mitfühlender, gleichmütiger, achtsamer, geduldiger, dankbarer - sowohl uns selbst als auch anderen gegenüber.

Und genau dies ist das Anliegen von Kursen in „Selbstgesteuerter Neuroplastizität“ oder PNT.
„Nimm das Gute in dich auf“ ist eine vereinfachte Darstellung der Methode, denn alle Schritte, die folgen, basieren meistens auf einer guten bzw. positiven Erfahrung, wie wir sie alle täglich mehrfach machen, aber vielleicht nur als flüchtige Erfahrung aufnehmen, nicht tiefer wahrnehmen, nicht besonders wertschätzen, nicht als wertvoll oder bereichernd bei uns behalten, also nicht als das Gute in uns aufnehmen in dem Sinne, wie es Rick Hanson einfordert in seiner Trainingsmethode.

HEAL ist ein Akronym, das sich aus den Anfangsbuchstaben der folgenden 4 Schritte zusammensetzt:
1. Have an experience = eine Erfahrung machen
2. Enrich = Anreichern
3. Absorb = Aufnehmen
4. Link = Verbinden

Diese “HEAL-Formel“ wird im Positiven Neuroplastizitätstraining immer wieder angeleitet, erfahren, praktiziert und geübt, besprochen, verfeinert, reflektiert und wiederholt. Rick Hanson betont besonders dieses Installieren, das für eine Neu-Vernetzung unerlässlich ist und über diese 4 Schritte eindrücklich zu einer neuen Erfahrung der Selbststeuerung führt.

Ergänzend zu einer 30-jährigen Yoga-Tätigkeit bin ich seit zwei Jahren durch Teilnahme an seinen Seminaren von diesem Weg sehr beeindruckt und kann viele positive Erfahrungen und Ergebnisse auch aus meinen bereits selbst durchgeführten Kursen bezeugen.
Zu sich zu stehen und sich ohne Vergleich ganz und gar anzunehmen ist ein wesentlicher Bestandteil der “Neu-Verdrahtung“. Über die Schritte, die im Kurs angeleitet und auf den Ebenen der drei wichtigsten Grundbedürfnisse nach Sicherheit, Anerkennung und Verbindung oft wiederholt und mit einem Partner oder individuell eingeübt werden, betont dieses Trainingskonzept die Phase der Installation. Installation bedeutet die Übertragung aktivierter Geisteszustände aus dem Zwischenspeicher des Kurzzeitgedächtnisses in den Langzeitspeicher für Erinnerungen. Auch wenn zum Installieren kaum mehr als 15 Sekunden benötigt werden, ist diese Vertiefung, das bewusste Anreichern und Absorbieren einer guten Erfahrung ein unverzichtbarer Vorgang, der immer wiederholt wird. Das ist das Herzstück dieses Konzeptes.
In Interaktion mit anderen Menschen lernt das Gehirn bzw. lernt ein Mensch am schnellsten. Unter Anleitung werden diese gemeinsamen Neu-Vernetzungsprozesse unglaublich beschleunigt (siehe das Angebot unter dem Menupunkt "Neuroplastizität").
Die Instrumente der Selbstgesteuerten Neuroplastizität nach Rick Hanson stammen aus der 2.500 Jahre alten buddhistischen Tradition bzw. Meditationskultur sowie aus  der moderneren westlichen Neuro- und Beziehungspsychologie. Beide vereint die als nährend erkannte Qualität des (Selbst-) Mitgefühls und die hohe Motivation dazu beizutragen, dass die Welt, in der wir leben, ein friedlicherer, glücklicherer und liebevollerer Ort wird.

Autorin: 
 
Manuela Heisler

Yoga- / Meditations- / Achtsamkeitslehrerin
Adhyayana-Zentrum

Brombergstr. 33
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