Kreativität wecken – Künstlerisches Arbeiten im Kunstlabor

Kreativität wecken – Künstlerisches Arbeiten im Kunstlabor

Kreativität wecken – Künstlerisches Arbeiten im Kunstlabor

Der Optimierungsgedanke entspricht dem heutigen Zeitgeist, entpuppt sich aber mehr und mehr als ein schwer zu fassendes Konzept, das in unserem Kopf und Leben herumgeistert und uns wertvolle Zeit stiehlt. Die meisten Menschen wissen oder ahnen dies, können sich aber nur schwer dem Sog der Gegenwart entziehen. Kunstschaffen kann helfen, der allgegenwärtigen Tendenz zu trotzen und eine Oase der Kunst im Leben des Kunstinteressierten einzubauen.

Seit fast 40 Jahren gibt es die Edith-Maryon-Kunstschule (EMK) in Munzingen bei Freiburg. Neben dem Vollzeitstudium Bildhauerei und dem berufsbegleitenden Studiengang Bildhauerei hat sich in den letzten Jahren das Kunstlabor etabliert. In den Ateliers und Werkstätten bieten regionale Künstlerinnen und Künstler Kurse aus verschiedenen Sparten des künstlerischen Arbeitens an. Die Kurse richten sich an Kunstinteressierte, die sich ein Wochenende oder eine Woche lang ganz dem künstlerischen Schaffen hingeben wollen. Sie bieten dem Interessierten ein Labor, einen Raum, in dem sie auf etwas hinarbeiten – für oder auf etwas brennen können. Kunstlabor bezeichnet also einen Raum, in dem man sich mit den verschiedenen Aspekten der Kunst beschäftigt, Kunst ausprobiert und (er)schafft.

Das Herzstück des Kunstlabor-Programms bilden Kurse mit bildhauerischen Aspekten. In diesen kommen für die Bildhauerei typische Arbeitstechniken (Meißeln, Schnitzen, Modellieren) und Materialien (verschiedene Gesteinsarten, Holz, Gips, Beton, Zement, aber auch unter anderem Wachs, Lacke oder Textilien) zum Einsatz. Beispiele für diese Kurse sind „Steinhauen im Schwarzwald/in Flossenbürg“, „Praktische Substanzlehre für Malerei und Bildhauerei“ „Abgusstechniken“ oder „Figuren schnitzen“. Workshops wie „Lochkamera – Mit Licht malen?“, „Experimentelles Malen“, „Lichtkunst – Leuchtobjekte aus Papier“ oder „Die Alchemie des Herbstes“ erweitern kontrastreich das Spektrum. 

Der Kurs „Praktische Substanzlehre für Malerei und Bildhauerei“ etwa eignet sich bestens für einen breiten Kreis aus Personen, denen die Neugierde gemein ist. Wie setzen sich verschiedene Lacke, Grundierungen, Tempera, oder Bindemittel zusammen? Wie werden sie hergestellt? Dabei sollte sich das Interesse nicht auf die theoretische Ebene beschränken, denn in dem Kurs wird ausgiebig angemischt, ausprobiert und hergestellt. 

Es ist fein, Arbeitsmaterialien fertig produziert im Künstlerfachgeschäft zu erwerben. Für Menschen, die ihrem Alltag Zeit für das künstlerische Schaffen abringen müssen, ist es pragmatisch und zeitsparend, Lacke, Wachse und so weiter fertig gemischt im Laden zu besorgen und direkt mit der eigentlichen Tätigkeit beginnen zu können. Aber wenn man Zeit erübrigen kann, sich interessiert und neugierig mit substanziellen Bestandteilen des Schaffensprozesses auseinanderzusetzen, dann stimmt diese Vorarbeit den Schaffenden anders auf das Arbeiten ein. Hier setzt der Kurs „Praktische Substanzlehre“ an. Durch das Selbstzubereiten von beispielsweise Möbelwachs kann man bereits vor dem Auftragen dieser Substanzen grundlegendes Wissen über deren Beschaffenheit und Eigenschaften sammeln. Man hat den Duft des Bienenwachs eingeatmet, konnte beobachten, wie Wachs und Leinölfirnis eine homogene Verbindung eingehen. Eventuell hat man auch die Erfahrung gemacht, dass Wachs und Lösungsmittel brennen können. All diese kleinen vorangehenden Sinneseindrücke, die ja auch mit handfestem Wissen über die einzelnen Substanzen einhergehen, ermöglichen ein bewussteres und tieferes Verständnis der äußerlichen Faktoren des künstlerischen Schaffensprozesses. Und nebenbei erfährt man in diesem Kurs, dass das Wort Schellack aus dem Sanskrit Wort „lakṣa“ für Einhunderttausend abgeleitet wurde und sich auf die Hunderttausenden Schildläuse bezieht, die für die Herstellung von Schellack benötigt werden. Natürlich kann man das auch im Internet nachlesen – aber ist es nicht ein schöneres Vergnügen, sich solch ein für das Überleben und den Alltag doch eher „unnötiges Wissen“ in einer illustren Runde anzueignen?

Dieser Weg, Kunst zu schaffen oder sich damit zu beschäftigen, nimmt nicht nur das ferne Ziel des Kunstwerkes in den Blickmittelpunkt, sondern auch die Schritte, die dahinführen. Sich auf eine Tätigkeit zu konzentrieren, sich der Ruhe eines ausschließlichen Tuns hinzugeben und darin verweilen: Aus diesen geistigen Zuständen heraus können Innenräume für Kreativität entstehen. Kreativität, die sich entfaltet und manifestiert. Nicht nur materiell am Objekt, welches man mit sich nach Hause nimmt, sondern auch als bleibende Fähigkeit des eigenen Ich.

Perathiba Mohanathas

Perathiba Mohanathas

Edith Maryon Kunstschule e. V.

Dorfgraben 1 – 3
79112 Freiburg
Telefon: +49(0)7664 4803