Burnout – Das Burnout kommt nicht plötzlich, es ist ein Prozess

von | 8. Dezember 2020

Burnout ist keine medizinische Diagnose. Meist wird damit ein Zustand starker körperlicher und emotionaler Erschöpfung, ein Gefühl des „Ausgebranntseins“ bezeichnet. Grundsätzlich handelt es sich dabei um eine ganzheitliche Erkrankung mit komplexer Symptomatik, deren Behandlung ­individuell und multimodal (verschiedene Ansätze) erfolgen muss. Und zwar deshalb, weil sich Burnout sowohl auf der körperlichen Ebene wie auch auf der psychischen Ebene ausdrücken kann oder es sind beide Ebenen gleichzeitig betroffen.

Auf der körperlichen Ebene können Vitalstoffverluste, unzureichende Entgiftungen und Dysbalancen von Hormonen und Neurotransmittern eine entscheide Rolle spielen. Auf der psychischen Ebene können unsere Konditionierungen, Glaubenssätze und Überzeugungen den Nährboden bilden, die das Ausbrennen zulassen. Da Körper und Psyche eins sind, beziehungsweise im ständigen Austausch sind, hat das eine automatisch Einfluss auf das andere. Stellen Sie sich einen Menschen mit gesenktem Kopf und einen mit erhobenem Kopf vor. Daran ist schon erkennbar, wie ein Mensch sich fühlt.

Ein Burnout entsteht nicht über Nacht. Meist geht eine längere Zeit mit Überforderung, Stress und hohem Leistungsanspruch an sich selbst voraus. Das kann aus beruflicher Überlastung entstehen und auch aus dem Privatbereich durch sogenannte Stressoren, denen man über einen längeren Zeitraum ausgesetzt ist. Es werden verschiedene Arten von Stressoren unterschieden: Leistungsstressoren (zum Beispiel erhöhter Arbeitsanfall), physikalische (Lärm, Hitze), soziale (zwischenmenschliche Konflikte, Trennungssituationen) und körperliche Stressoren (Krankheiten, Verletzungen). Besonders häufig ist von Leistungs- und emotionalen Stressoren die Rede.

Wie kann man ein Burnout erkennen? 

Manche Symptome überschneiden sich mit den Beschwerden einer Depression – zum Beispiel Antriebslosigkeit, Mutlosigkeit, Müdigkeit, das Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit. Es gibt dennoch Tendenzen, die mehr auf das eine oder das andere hindeuten. 

  • Vordergründige Symptome, die auf ein Burnout hinweisen können:
  • Erschöpfungsgefühl
  • Verlust von Freude
  • Schlafstörungen und Unruhe
  • Angst und Panik
  • Lethargie
  • Überforderung schon bei kleinsten Belastungen
  • Fehlende Distanzierungsfähigkeit
  • Traurigkeit und Antriebsarmut
  • Sozialer Rückzug

Auch körperliche Symptome können sich bei Burnout einstellen, für die der Arzt keine organische Ursache findet – sogenannte psychosomatische Beschwerden. Zum Beispiel Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme oder Rückenschmerzen.

Wie entsteht Burnout grundsätzlich?

Das Stresserleben, also die Stressreaktionen, beinhaltet eine Bewertung der wahrgenommenen Stressoren. Hier kann zwischen zwei voneinander abhängigen Bewertungen unterschieden werden:

  1. Die erste Bewertung bezieht sich auf den Stressor selbst, also auf die Bewertung der Stress auslösenden Situation: 
  2. Die zweite Bewertung bezieht sich auf die Einschätzung eigener Fähigkeiten beziehungsweise Möglichkeiten zur Bewältigung der Stress auslösenden Situation.

Mögliche „äußere“ Ursachen, die zum Burnout führen können: Durch Umstrukturierungen in Firmen stehen für dieselbe Arbeit oft weniger Menschen zur Verfügung, daraus folgt eine höhere Arbeitsbelastung. Die Schnelligkeit insgesamt, vor allem auch in der Kommunikation, hat sich verändert (E-Mails, WhatsApp), mit der Erwartung, sie mögen am besten sofort beantwortet werden.

Mögliche „innere“ Ursachen, die zum Burnout führen können: Gleichzeitig im Beruf bestehen wollen, der Familie und den Freunden gerecht werden, dem eigenen Körper aber auch Ruhe gönnen wollen, lassen ein dauerhaftes Gefühl von Überforderung entstehen und ein ständiges Grundgefühl von Defizit. Fehlende Abgrenzung, unter anderem aus Angst, den Erwartungen der anderen nicht gerecht zu werden und damit das Gegenüber zu enttäuschen. Das wiederum kann folgende Ängste/Befürchtungen wecken:

  • Verlust des Arbeitsplatzes
  • Ende einer Partnerschaft / Verlust von Freundschaften
  • Angst vor Veränderung
  • Existenzängste
  • Abhängigkeit von Lob und Anerkennung von anderen
  • Angst vor Auseinandersetzungen
  • Nicht nein sagen können

Phasen des Burnouts

Phase 1: Der Zwang, sich zu beweisen

Phase 2: Verstärkter Einsatz

Phase 3: ernachlässigung der eigenen Bedürfnisse

Phase 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen

Phase 5: Umdeutung von Werten

Phase 6: Verstärkte Verleugnung der Probleme

Phase 7: Rückzug

Phase 8: Beobachtbare Verhaltensveränderung

Phase 9: Depersonalisation

Phase 10: Innere Leere

Phase 11: Depression

Phase 12: Völlige Burnout-Erschöpfung

Was können Sie tun?

Ein Burnout kann die Dringlichkeit einer Veränderung im Denken und Verhalten anzeigen. Er ist definitiv eine ernsthafte Krise, kann aber auch als Chance gesehen und genutzt werden, um destruktive Konditionierungen grundsätzlich zu verändern. Ziel ist es, günstigere Strategien im Umgang mit den aktuellen Belastungen zu erlernen, das Selbstbewusstsein zu stärken und realistische Perspektiven zu finden. Betroffene lernen zum Beispiel, ihre Gefühle deutlicher wahrzunehmen und auszudrücken. Sie trainieren, sich gegen Druck von außen besser zu behaupten. Sie üben Konflikt- und Stressbewältigung.

Letztlich geht es darum, eigene Verhaltensweisen, die zur Überlastung und Überforderung beigetragen haben, zu verändern. Sie sollten in jedem Fall Unterstützung/Hilfe in Anspruch nehmen. Je nachdem, in welcher Phase Sie gerade sind, reicht eine Beratung oder Selbstreflexion. Merken Sie die Symptome allerdings erst in einer fortgeschrittenen Phase, ist eine Therapie oder ein Klinikaufenthalt dringend angeraten.

Mögliche Lösungsansätze

Glaubenssätze herausfinden und verändern. Ein Beispiel für einen Glaubenssatz, der zum Burnout führen kann: Ich muss viel leisten, um anerkannt oder geliebt zu werden. Diese Überzeugung führt unter anderem dazu, nicht nein sagen zu können, sich nicht abgrenzen zu können.

Resilienz stärken: Unter Resilienz versteht man die Widerstandskraft der Seele. Sie ist die Fähigkeit, Krisen im Lebenszyklus unter Einsatz von persönlichen und sozial vermittelten Ressourcen zu meistern. Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet ,resilere‘ abprallen, zurückspringen. Aus der Physik und Materialkunde abgeleitet: die Strapazierfähigkeit von Stoffen. Es sind also hochelastische Werkstoffe, die nach jeder Verformung ihre ursprüngliche Form wieder annehmen. Im Englischen versteht man unter ,resilience‘ Widerstandsfähigkeit, Spannkraft und Elastizität. Die Psychologie hat dies auf den Menschen übertragen und beim Menschen bedeutet Resilienz, die seelische / psychische Kraft aufzubringen, biologische, psychologische und psychosoziale Entwicklungsrisiken / Krisen zu bewältigen trotz widriger Lebensumstände die psychische Gesundheit zu erhalten oder zurückzugewinnen; sich von Stress zu erholen und von Schicksalsschlägen nicht unterkriegen zu lassen, sondern das Bestmögliche aus der eigenen als unglücklich empfundenen Situation zu machen. Resilienz lässt sich erlernen und stärken.

Auch die Corona-Pandemie kann ein weiterer Stressor sein. Sie kann emotionale Erschöpfung auslösen, Müdigkeit, Frustration, Existenzängste, Einsamkeit, Wut, Empörung, Hilflosigkeit … Es ist möglich, die Pandemie mit den beschriebenen Methoden besser bewältigen zu können.

In meiner Praxis kann ich mit Ihnen die oben beschriebenen Lösungsmöglichkeiten erarbeiten, kompetent und mit Fingerspitzengefühl. Es ist meine Stärke, Sie bei Ihren nächsten Schritten zu begleiten, sich in Ihrer Tiefe kennen und verstehen zu lernen und mit sich selbst gut Freund zu werden und sich die Wertschätzung zu schenken, die Sie verdienen. Ich freue mich auf Ihren Anruf!

Ursula Chenoah Stößer

Ursula Chenoah Stößer

Psychologische Beraterin und Burnout-Coach

Kapellenring 11
79238 Ehrenkirchen

Telefon: 0151 22382433
www.chenoah.de
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