Pränatale Körperarbeit

von | 8. Dezember 2020

Eine Reise zu unseren Ursprüngen und unserer Lebenskraft – Die eigene Lebensgeschichte besser verstehen und Neues integrieren

Epigenetik

Die Mechanismen, welche dazu führen, dass eine vorgeburtliche Situation lebenslange Spuren hinterlässt und diese sogar auf weitere Generationen „vererbt“ werden, sind mittlerweile besser verstanden. Epigenetik-Studien zeigen, welche Verhaltens- und Erlebnisweisen durch unsere Gene festgelegt sind und welche durch die Umwelt, die Eltern und andere Beziehungserfahrungen geprägt werden. Welche Gene jedoch zum Ausdruck kommen, ob sie aktiviert oder gehemmt, verlangsamt oder ganz ausgeschaltet werden, entscheiden die Umwelteinflüsse. Diese wirken sich umso stärker aus, je jünger ein Mensch ist. 

Von zentraler Bedeutung ist deshalb das Erleben eines Babys während der Schwangerschaft, beispielsweise kann vorgeburtlicher „Stress“ Einfluss auf die neurologische Entwicklung und das spätere Verhalten nehmen. Stress kann immer als gut oder schlecht bewertet werden. In Maßen und verbunden mit dem Erlebnis der positiven Überwindbarkeit machen uns belastende und anstrengende Erfahrungen stärker und widerstandsfähiger. Werden Belastungen hingegen übermächtig oder dauern unentwegt an, steigt das Risiko für sogenannte Stresskrankheiten. Während der Gehirnentwicklung im Mutterleib reagiert unser Gehirn besonders sensibel auf Signale aus seiner Umgebung.

Heilwerden

Beim Heilwerden geht es darum, unser Herz zu öffnen und nicht zu verschließen.Es geht darum, die Stellen in uns, welche die Liebe nicht einlassen wollen, weich zu machen. Heilung ist ein Prozess.
Beim Heilwerden schaukeln wir hin und her zwischen den traumatischen Erfahrungen der Vergangenheit und der Fülle der Gegenwart und bleiben immer öfter in der Gegenwart.
Es ist dieses Schaukeln, welches die Heilung bewirkt, nicht das Stehenbleiben an einem der beiden Pole.
Der Sinn des Heilwerdens ist nicht, für immer glücklich zu werden. Der Sinn der Heilung ist, nicht bei lebendigem Leibe zu sterben, sondern wach zu sein und sein Leben zu leben.
Heilung hängt damit zusammen, gleichzeitig zerbrochen und ganz zu sein.

Gene Roth

Transgenerationale Übertragung – Von der Großmutter zum Enkel

Traumatische Erfahrungen wie Krieg, sexueller Missbrauch oder schwere körperliche Misshandlungen hinterlassen bei den Opfern oft seelische Wunden, unter denen sie ein Leben lang zu leiden haben. Wobei man heute davon ausgeht, dass diese Traumata unbewusst auch an die nächste Generation weitergegeben werden können. Die Folge dieser traumatischen Erfahrungen sind oft Ängste und Abwehrmechanismen, die – meist unbewusst und unverarbeitet – an die nachfolgenden Generationen übertragen werden.  Deshalb haben die Erfahrungen vor, während und nach unserer Geburt immer auch einen systemischen Aspekt, wie wir ihn aus der Familienaufstellung kennen.

Traumabewältigung – Ressource

Trauma definiert sich folgendermaßen: Ein Ereignis ist zu viel (überwältigend), zu schnell und wir sind meist handlungsunfähig. Die Konsequenz ist innere Starre. In den Körperzellen speichert sich dieser gehaltene Stress. Als Kind im Mutterleib ist es uns nicht möglich, adäquat auf Stress zu reagieren. Wir haben einzig die Möglichkeit, wie im Schockzustand einzufrieren. Prägungen aus dieser ersten Zeit haben großen Einfluss darauf, wer wir sind, welche Entscheidungen wir treffen und wie wir unser Leben gestalten. Das betrifft unsere Stress- und Angstmuster, unsere Beziehungen, unser Fühlen, Denken und Handeln. Es ist hilfreich zu wissen, dass in unserem frühen Lebensbeginn alle traumatischen Erfahrungen im Körper-Zell-Gedächtnis gespeichert und somit auch dort wieder abrufbar sind. Durch das Entlang-„Reisen“ an Körperwahrnehmungen kommen wir in Kontakt mit diesen Erfahrungen, der Körper erinnert sich sozusagen.

Beispiele für Traumen rund um die Geburt

Stress in der Schwangerschaft (Verlust eines nahen Menschen, mütterlicher Stress in Beziehung oder im Beruf, eigener Verlust des Zwillings), Komplikationen bei der Geburt (Kaiserschnitt, Zangen- oder Saugglockengeburt, PDA) Trennung von der Mutter nach der Geburt, Adoption, Trennung der Eltern usw.

Zwillingsverlust

Man weiß von vielen Zwillingsschwangerschaften, dass sie unentdeckt bleiben; man bekommt nichts mit von ihrer Existenz. Sie gehen, bevor sie wahrgenommen werden. Manchmal ist eine Zwillingsanlage in der Plazenta erkennbar. Nichtsdestotrotz erinnern sich viele Einlinge daran, dass da noch ein Begleiter war, der aber wieder gegangen ist. Gleichzeitig erleben sie die emotionale Konsequenz: Das betrifft ihre Art, Beziehungen zu leben, ihre Bindungsfähigkeit, ihren Umgang mit Verlust und Abschied, dem Umgang mit einem Gefühl, unvollständig zu sein. In einer Körperreise kann durch entschleunigtes und entzerrtes Nachstellen der traumatischen Situation all das, was nicht satt geworden ist, endlich aufgefüllt werden. Unsere Erfahrungen und Lebensgeschichte werden neu geschrieben. 

Ressource

Die gute Kraft in der Traumabewältigung ist die Ressource. Wir haben in unserem Leben traumatische Erfahrungen überstanden und unsere ganz eigene Überlebenskraft entwickelt und etabliert.

Beschreibung Körperreise

Wir wissen heute, dass unser Leben bereits während der Schwangerschaft, Geburt und frühen Kindheit geprägt wird. Also in einer Zeit, an die wir uns normalerweise nicht bewusst erinnern. Diese Erfahrungen beeinflussen als Grundmelodie unser gesamtes Leben, unsere Beziehungen, ohne, dass wir uns dessen bewusst sind.

Seminar

In diesem Seminar haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich auf Körperebene den Erfahrungen von damals anzunähern und der darin gebundenen Energie zu begegnen. Gemeinsam erschaffen wir ein Feld, in dem die Teilnehmenden in einem individuellen Prozess an ihrem ganz persönlichen Thema arbeiten können. Zur Traumabewältigung berühren wir behutsam alte, schmerzhafte Erfahrungen und pendeln immer mehr hin zum gesunden Anteil in uns. Diese ursprüngliche Kraft steht uns immer schon zur Verfügung und geht auch nicht verloren. Die eigene Ressource wird dabei immer im Auge behalten als besonders unterstützende Kraft. Wenn das Erlebte mitgeteilt – sogar gesehen und gehört wird, dann kann Heilung geschehen. Unserer Erfahrung nach liegt im tiefsten Schmerz unser größtes Potenzial verborgen. Gerade die körperorientierte Arbeit ist eine Brücke zu genau diesem Potenzial und macht es möglich, unsere eigene Geschichte neu zu verstehen und bessere Orientierung für unser Leben zu gewinnen.

Quellen:
Franz Renggli, „Tor zum Leben“
Werner Stangl, Psychologe
Barbara Schlochow, Hebamme

Christine Herden und Christiane Gerspach

Christine Herden und Christiane Gerspach

Christine Herden
Körpertherapeutin / Heilpraktikerin
www.praxis-christine-herden.de
Christiane Gerspach
Hebamme / Heilpraktikerin
www.punktlandung-schopfheim.de