Vitalstoffe – Bausteine des Lebens

von | 8. Dezember 2020

Vitalstoffe sind – wie das Wort „Vita“ für Leben schon verrät – für unser Leben unverzichtbar. Nur wenn der Körper ausreichend mit Vitalstoffen versorgt wird, können sämtliche Stoffwechsel­prozesse reibungslos ablaufen, Krankheiten selbstständig heilen und sogar im Rahmen der Prävention vermieden werden. Der Begriff Vitalstoffe ist ein Überbegriff für die Gruppe der Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine. Zusätzlich zählen auch essenzielle Fettsäuren, essenzielle Aminosäuren, sekundäre Pflanzen­stoffe und verschiedene andere Vitalstoffe dazu. Als Synonym wird häufig der Begriff Mikro­nährstoffe verwendet. Der Ausdruck „Vitalstoffe“ ist im eigentlichen Sinn kein wissenschaftlicher Begriff.

Mikronährstoffe

Die Mikronährstoffe sind im Gegensatz zu den Makronährstoffen wie Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß Stoffe, die der menschliche Organismus aufnehmen muss, ohne dass sie Energie liefern. Der menschliche Körper benötigt sie für seine vielfältigen Zell- und Organfunktionen. Sie erfüllen lebensnotwendige Aufgaben in zahlreichen Stoffwechselprozessen. Alle Mikronährstoffe sind an Stoffwechselprozessen innerhalb der Zellen und damit an den vielen Grundfunktionen eines biologischen Körpers beteiligt. Beispielsweise regulieren sie das Zellwachstum und die damit verbundenen Erneuerungen von Haut, Knochen, Muskulatur, Blutkörperchen, aber auch der Nervenreizleitung sowie der Bildung von Sekreten und Botenstoffen. Manche Mikronährstoffe dienen als Co-Faktoren, das heißt sie ermöglichen als niedermolekulare Substanzen verschiedene wichtige biochemische Reaktionen. Sie sind auch für die Funktionen bestimmter Enzyme beziehungsweise für Enzymreaktionen unbedingt erforderlich.

Andere sind Bestandteile von Hormonen oder als Elektrolyte oder Antioxidantien wirksam. Erstaunlich: In jeder Sekunde laufen in jeder der rund 80 Billionen Zellen unseres menschlichen Körpers hunderttausende chemische Reaktionen ab. Die Vitalstoffe spielen dabei eine entscheidende Rolle, denn sie sind sowohl die Grundbausteine als auch die Katalysatoren für den reibungslosen Ablauf dieser komplexen Vorgänge. Vitalstoffe sind wichtig um den Körper gesund zu halten und spielen für das Immunsystem eine bedeutende Rolle. In jüngster Zeit rückte der präventive Effekt der Vitalstoffe mehr und mehr in den Vordergrund. 

Bis auf sehr wenige Ausnahmen, wie beispielsweise Vitamin D, kann der Körper selbst keine Vitalstoffe herstellen. Sie müssen durch die Ernährung in ausreichenden Mengen aufgenommen werden. Dabei unterscheidet man zwischen Vitalstoffen, die der Körper speichern kann und jenen, die täglich zugeführt werden müssen. Während Mineralstoffe wie Kalzium und Magnesium gut vom Körper gespeichert werden können, muss zum Beispiel die Gruppe der wasserlöslichen Vitamine sehr regelmäßig durch eine entsprechende Nahrung aufgenommen werden. Der Grund: Da sich diese Vitalstoffe in Wasser auflösen werden sie mit dem Urin relativ schnell ausgeschieden. So kann nur eine gewisse Menge von ihnen auf einmal aufgenommen werden – beispielsweise Vitamin C und die B-Vitamine. Eine pauschale Aussage zur Speicherung von Vitalstoffen ist darum kaum möglich.

Mineralstoffe

Mineralstoffe sind lebensnotwendige anorganische Nährstoffe, die der Mensch neben den Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten – die als Makronährstoffe bezeichnet werden – für die Regulierung von Stoffwechselvorgänge benötigt. Sie liefern dem Körper zwar keine Nahrungsenergie, sind aber lebensnotwendige anorganische Verbindungen. Der Organismus kann sie nicht selbst herstellen und sie müssen mit der Nahrung zugeführt werden. Sie werden in Gramm- oder Milligramm­mengen pro Tag benötigt. Die Makronährstoffe lassen sich dadurch von den Spurenelementen unterscheiden, da sie mehr als 0,01 Prozent des Körpergewichtes ausmachen.

Aufgrund ihrer Konzentration im menschlichen Körper und ihres Mengenverhältnisses im täglichen Bedarf werden sie in zwei Gruppen unterteilt: Die sogenannten Mengenelemente beziehungsweise Makroelemente und Spurenelemente beziehungsweise Mikroelemente. Mineralstoffe sind für das Leben eines Menschen auf zweierlei Arten notwendig: Der Organismus benötigt sie als Bausteine beispielsweise für Knochen und Zähne; Außerdem übernehmen sie wichtige Aufgaben im Körper wie das Regulieren von vielen Stoffwechselprozessen.

Mineralstoffe sind anorganische Nahrungsbestandteile, die in pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln enthalten sind. Der Organismus benötigt sie in unterschiedlichen Mengen. In größeren Mengen müssen Natrium, Chlorid, Kalium, Kalzium, Phosphor und Magnesium aufgenommen werden. In kleineren Mengen werden die Spurenelemente hingegen benötigt. Zur richtigen Dosis an Mineralstoffen erteilt die Deutschen Gesellschaft für Ernährung Hinweise, die inzwischen durch die europäische Recommended Daily Allowances (RDAs) ergänzt werden. Die Empfehlungen der Tagesdosen sind aber lediglich Richtwerte, denn es spielen individuelle Stoffwechselprozesse eine entscheidende Rolle. Wie hoch also der persönliche Bedarf tatsächlich ist um optimal versorgt zu sein lässt sich nur sehr schwer definieren und ist individuell sehr verschieden.

Spurenelemente

Spurenelemente sind chemische Elemente, die für den Menschen unbedingt nötig sind und nur in sehr geringen Mengen – also in Spuren – benötigt werden. Im Gegensatz zu den Mengenelementen kommen sie mit Ausnahme von Eisen in menschlichen Geweben mit einem Massenanteil von weniger als 50 Milligramm pro Kilogramm vor. Der Körper kann auch sie nicht selbst herstellen und muss sie über die Nahrung aufnehmen.

Sie machen einen winzig kleinen Teil aller Nährstoffe aus. Jedes dieser Spurenelemente hat aber seine eigenen Aufgaben im gesamten Organismus. Man unterscheidet zwischen essenziellen – also unentbehrlichen – und nicht-essenziellen – also entbehrlichen – Spurenelementen. Zu letzteren gehören Silizium, Nickel, Vanadium und Lithium. Menschen in bestimmten Lebenssituationen wie Schwangere, Senior*innen, chronisch Kranke und Menschen unter erhöhten Stress- oder körperlicher Belastungen haben einen erhöhten Bedarf an Spurenelementen. In vergangenen Zeiten – als noch ein hoher Anteil von Mineralien in den Böden vorhanden waren – nahmen die Menschen diese Spurenelemente automatisch über ihre Nahrung in ausreichenden Mengen auf. Heute fehlen sie in den Böden und somit auch in der Nahrung.

Vitamine

Anders als Kohlenhydrate, Fettsäuren oder Eiweiß liefern Vitamine keine Kalorien. Der Körper benötigt sie als Funktionsstoffe, für Botenstoffe oder als ­Katalysatoren um seine vielen Funktionen aufrecht zu erhalten. Im Stoffwechsel können sie vom Körper nicht bedarfs­deckend synthetisiert werden. Insgesamt gibt es 13 Vitamine. Sie sind an der Gewinnung von Energie aus Kohlenhydraten, Fetten und Eiweiß beteiligt sowie am Aufbau von Hormonen, Enzymen und Blutkörperchen. So helfen sie bei der Verwertung der Nahrung, steuern zahlreiche ­biochemische Prozesse und schützen vor Schadstoffen.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Gruppen von Vitaminen: fett- und wasserlösliche. Fettlösliche Vitamine sind im Körper im Fettgewebe speicherbar. Zu ihnen zählen die Vitamine A, D, E und K. Wasserlösliche Vitamine kann der Körper nicht speichern. Darum ist eine regelmäßige, ausreichende Versorgung über die Nahrung erforderlich. Zu den wasserlöslichen Vitaminen gehören das Vitamin C, die Vitamine der B-Gruppe sowie Biotin, Niacin, Fol- und Pantothensäure.

Bei einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung besteht normalerweise keine Gefahr eines Vitamin­mangels. Das bedeutet allerdings: fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag, dazu Milch- und Vollkornprodukte, Fisch, Nüsse und pflanzliche Öle.

Dr. med. Lutz Koch

Facharzt für Physikalisch und Rehabilitative Medizin