Tantra – Erfahre dich im Raum des Seins

von | 1. Mai 2018

Tantra bedeutet Weben und Ausdehnen – und beschreibt einen spirituellen Weg, der in den alten indischen Schriften festgehalten ist. Im Tantra verweben wir unser Bewusstsein mit unserem Körper, unserem Herz und unserer Sexualität. Wir dehnen unser Bewusstsein aus und erfahren die feine Schwingung des Seins. Wie Yoga oder Zen ist auch Tantra ein Weg zu innerem Wachstum. Anders als andere spirituelle Richtungen betrachtet Tantra die Sexualität als Schlüssel zur Selbsterkenntnis. Seit den 1980er Jahren hat sich eine eigenständige Tantra-Richtung im Westen etabliert. Zu den Pionier/innen gehören Margo Anand mit „Sky Dancing Tantra“, Alan Lowen mit „The Art of Being“ und viele mehr. 

Tantra ist ein Weg der Akzeptanz – ein Weg, der uns zeigt, wie wir ein JA zu allen Aspekten des Lebens finden. JA bedeutet im Tantra, sich in jedem Moment anzunehmen mit allem was ist: mit der eigenen Lebendigkeit und Neugier, der Sensibilität und Verletzlichkeit, mit unserer Liebe und Sehnsucht wie auch mit Unsicherheit, Angst, Misstrauen, Wut, Trauer und Scham. Manche Eigenschaften, Gefühle, Gedanken und Impulse wollen wir nicht haben. Vielleicht wurden wir in unserer Vergangenheit dafür abgelehnt und auch nicht ermutigt, uns selbst zu lieben, und es gelingt uns oft bis heute nicht. Wenn wir jetzt diese Aspekte in unser Sein verweben und JA zu uns sagen, entstehen Lebendigkeit, Kreativität, Verspieltheit und vielleicht – Ekstase …

Tantra zeigt uns Wege, Freundschaft zu schließen mit allem, was wir sind und vermeintlich nicht sind. Wir entwickeln Akzeptanz und Bewusstheit für uns selbst und für andere. Wir lernen uns selbst zu lieben! Damit gewinnen wir einen Begleiter, der uns immer zur Seite steht und uns in turbulenten Zeiten Halt geben kann. 

Im Tantra erforschen wir unser authentisches Sein – in den Themen Beziehungen, Liebe und Sexualität. Wir haben gelernt und uns daran gewöhnt, dass unerfüllte Bedürfnisse normal sind. Wir haben verlernt, unsere Bedürfnisse zu erkennen und für sie einzustehen. Obwohl wir uns nach authentischer Liebe und echter Nähe sehnen, bleibt uns der Weg dorthin verschlossen, weil tief sitzende Verhaltensmuster und Strategien uns daran hindern. Wenn wir das Bewusstsein auf unsere Muster lenken und erkennen, dass sie in der Vergangenheit sinnvoll und schützend waren und manchmal unserem Überleben dienten, können wir sie annehmen, achtsam auflösen, neue Verhaltensstrategien entdecken und Freiräume gewinnen. Dann haben wir die Chance, anderen in liebevoller Offenheit und ohne Projektionen zu begegnen. Tantra ermutigt uns, unsere Sehnsucht nach einem freien und selbstbestimmten Leben, nach Lebendigkeit und Ekstase wieder zu spüren. Tantra ist ein Weckruf, dieser Sehnsucht zu folgen!

„Dein Körper führt dich zu deinen Gefühlen,
deine Gefühle führen dich zu deinem Herzen,
dein Herz führt dich zu deiner Seele.“
Alan Lowen

„Dass Frauen in meinem Leben keine ganz unwichtige Rolle spielen, das wusste ich“, schmunzelte Herbert, als er zum ersten Mal an einer Tantra-­Gruppe teilnahm. „Trotzdem staunte ich über die überschwappende Freude, die mich in der Gruppe erfasste. Ich erlebte sie viel nahbarer, offener und betörender als in meinem normalen Leben. In meinem Inneren schmolz etwas. Bisher hatte ich mich regelmäßig nach einiger Zeit aus Beziehungen zurückgezogen – ohne genau zu wissen warum. Irgendetwas fühlte sich bedrängend oder einschränkend an. In der Gruppe konnte ich mich besser wahrnehmen – ich wurde akzeptiert mit meinen Gefühlen und Verhaltensweisen. Das war eine große Erleichterung für mich und half mir, mich immer mehr zu öffnen. Ich konnte die Verletzungen aus meiner Kindheit anschauen, das Verhältnis zu meiner Mutter. Ich bin noch immer im Prozess, aber es fühlt sich richtig gut an – auch mit allen Schmerzen, die hochkommen, und der großen Freude, die ich erlebe.“

 

 

     

    Anke hätte von einer ganz normalen, lustvollen Sexualität gesprochen, wenn man sie danach gefragt hätte. Sie war jung und ungebunden, als sie zufällig ein Buch über Weiblichkeit und Tantra in die Hände bekam. Sie las von Sexualität als Lebensenergie, von gesteigerter Wahrnehmung, tiefer Erfüllung – und wurde neugierig. Sie meldete sich zu einem Tantra-Seminar an und war perplex: „Es ging um Sex, logisch“, sagte sie später. „Aber es ging auch immer um mich selbst. Um Erkenntnisse, die tief in mir vergraben waren. Ich erlebte mich plötzlich weinend und lachend, ich erinnerte mich an alte Schmerzen und zerfloss geradezu, als andere Teilnehmer/innen ihre Gefühle ausdrückten. Danach entschloss ich mich, mehr über mich und meine Sexualität herauszufinden. Eine wunderbare Entdeckungsreise, die mich in immer neue Erlebnisräume führt.

    Auch Menschen, die glauben, Sexualität habe keine große Bedeutung mehr für sie, machen erstaunliche Erfahrungen. Doris, eine alleinerziehende Mutter, hatte große Vorurteile dem Tantra gegenüber. Sie dachte dabei an esoterische Swinger-Clubs, Sex-Spielzeug und roten Plüsch. Über eine Freundin erfuhr sie, dass es bei Tantra um viel mehr geht: um Selbsterforschung, um eine Verbindung von Herz und Sexualität. „Gemeinsam wagten wir uns zu einer Info-Veranstaltung, um nur mal zu hören und zu sehen, was da passiert. Ich war erstaunt, welche Menschen sich dort einfanden“, erzählte sie später. „Alle zwischen 30 und Ende 50; ein Schreiner und eine Musikerin, eine Architektin und ein Masseur, eine Industriekauffrau und eine weitere Mutter. Zwölf Personen, mit und ohne tantrische Erfahrung. Eigentlich Menschen wie ich selbst. Und Räucherstäbchen gab es erst später, als ich meinen ersten Kurs belegte. Bei einem Ritual. Ich mochte das sogar.“

    Wolfgang ist seit mehr als 20 Jahren als Psychotherapeut tätig. Er hat Bücher geschrieben und war als Redner auf vielen Podien zu hören. Auch er stolperte eines Tages über Tantra. Ihm fehlte die Sinnlichkeit, der lebendige Zugang zu seinem Körper und echte Beziehungen, jenseits der therapeutischen Arbeit: „Ich sehnte mich nach mehr Intensität, nach größerer Lebensfreude, ja, eigentlich sogar nach ekstatischen Erlebnissen, auch wenn ich mir das fast nicht eingestehen konnte. Ich wollte wissen, wie das ist mit fließender Energie, mit liebevoller, achtsamer Körperlichkeit – mit Tantra. Ich genieße diesen offenen Erlebnisraum, den mir die Tantragruppe ermöglicht!“

    Tantra lehrt uns, dass wir nicht perfekt sein müssen. Wir dürfen Fehler machen, auch unvollkommen sein. Wenn wir in diesen Momenten zu uns selbst sagen können: „Ich liebe mich“, fühlen wir eine tiefe und wahrhafte Verbindung zu uns. Wir sind genau richtig, so wie wir sind. Das ist das Geschenk, das Tantra uns geben kann.

    Institut Body Heart Balancing

    Institut Body Heart Balancing

    eigene Praxis: Heckerstraße 29A, 79114 Freiburg
    Telefon: 0761 42990777

    Ludwig Sandner 
    Heilpädagoge, Körpertherapeut und Seminarleiter

    Er bietet tantrische Erfahrungs- und Wachstumsräume in Seminaren und Abendgruppen für Menschen, die Lust verspüren, sich selbst besser kennen und lieben zu lernen. In eigener Praxis bietet er Einzelsitzungen und Massagen an. Schwerpunkt seines Instituts sind Ausbildungen in Hawaiianischer Körperarbeit (Lomi Lomi) und Fortbildungen in Aqua Wellness.