Was tun bei Problemen mit der Verdauung?

Was tun bei Problemen mit der Verdauung?

GM Medizin

Für Leckermäuler ist die Advents- und Weihnachtszeit eine der Hochphasen im Jahreskalender. Süße Plätzchen, Marzipan und Lebkuchen geben sich ein Stelldichein mit üppigen Festtagsmenüs.

Kein Wunder, wenn dann an Neujahr Magen, Darm und Galle die weiße Fahne hissen. War der Vorsatz der Mäßigung nicht von Erfolg gekrönt, können Präparate aus der Apotheke das Bauchgrimmen lindern.

Es sagt sich ja so leicht, dass man in diesem Dezember nicht wieder so über die Stränge schlagen will wie im letzten. Steht erst einmal wieder der Plätzchenteller auf dem Tisch, greift die Hand ganz automatisch hinein in die süße Pracht. Und wer kann schon nein sagen, wenn an Weihnachten köstlicher Bratenduft das Haus erfüllt! Gern nimmt man noch einen kräftigen Nachschlag. In der Silvesternacht schließlich müssen die Sektkorken genauso knallen wie die Böller und Raketen. Unsere Geschmacksnerven freuen sich in dieser Zeit wie die Schneekönige, den Magen fragt man besser nicht nach seiner Meinung. Der so beharrliche Ignorierte schmollt jedoch, wenn man es zu toll treibt. Magenschmerzen, Sodbrennen, Verstopfung, Blähungen oder gar peinvolle Gallenkoliken melden sich bevorzugt in der Zeit, in der wir es uns besonders gut gehen lassen.

Keine Frage, die Köstlichkeiten, die rund um Weihnachten und Silvester auf den Tisch kommen, schmecken nicht nur gut, sie sind auch ein wichtiger Bestandteil des familiären Zusammenseins und stiften nach dem Motto „die Liebe geht durch den Magen“ auch Behaglichkeit. Sie sind nur nicht eben das, was man unter einer gesunden Ernährung versteht. Dafür sind die Anteile an Fett und Zucker zu hoch. Ein guter Appetit und allzu üppige Portionen überfordern dann leicht die Verdauungsorgane. So sorgt ein übervoller Magen für Magendrücken und Luftnot, wenn das die Atmung steuernde Zwerchfell eingezwängt wird. Kuchen, Schokolade und die Weihnachtsgans tragen mit ihrem Fettanteil zu einem trägen Darm bei. Verstopfung ist daher die natürliche Folge, wenn man in den Speiseplan nicht zugleich Ballaststoffe wie Vollkornbrot, rohes Gemüse und Obst einbaut.

Große Mengen an Fett, Zucker und Alkohol können auch Blähungen und Sodbrennen mitverursachen. So bilden sich Gase im Darm, wenn Bauchspeicheldrüse und Galle nicht ausreichend in der Lage sind, Fette aufzuspalten. Sodbrennen wiederum entsteht durch den Rückfluss von Magensäure und vorverdautem Nahrungsbrei in die Speiseröhre. Normalerweise wird das Zurückfließen durch einen Ringmuskel verhindert. Fette Mahlzeiten sowie Alkohol und Nikotin reduzieren jedoch die Muskelspannung. Gerade der „Verdauungsschnaps“ nach dem Festmenü und dem Dessert kann also der Tropfen zu viel sein, der das Fass buchstäblich zum Überlaufen bringt. Nicht zuletzt erhöhen schwere, fettreiche Mahlzeiten auch die Wahrscheinlichkeit einer Gallenkolik, die durch eine Blockade des Gallengangs durch Gallensteine ausgelöst wird. Da sich die Beschwerden gern nach dem Zubettgehen bemerkbar machen, ist die vielbesungene „Stille Nacht“ dann rasch vorbei.

Vernunft und gute Hilfsmittel

Um Ungemach in Magen und Darm abzuwenden, wäre es klüger, häufiger dem Verstand als den Gelüsten zu folgen. Und das heißt: Nichts übertreiben und wissen, wann’s genug ist. Auch wenn der Dezember vom ersten Advent bis zum Silvesterabend ausgefüllt ist mit festlichen Anlässen, muss man sich nicht jeder Versuchung aussetzen oder ihr gar ungehemmt nachgeben. Maßvoll genießt es sich oft sogar besser! So muss der Plätzchenteller ja keineswegs jeden Tag auf dem Tisch stehen. Auch bekommt es der Verdauung sehr gut, wenn man sich zwischen den Festtagen besonders gesund ernährt, beispielsweise mit fleischloser Küche, Salaten, Obst und Vollwertkost, die reich an Ballaststoffen ist. Die gelegentliche Völlerei fällt dann nicht so ins Gewicht und wird von den Verdauungsorganen auch meist gut verkraftet. Auch auf das „wie“ des Essens kommt es übrigens an: Wer langsam isst, gut kaut und keine Luft verschluckt, erspart dem Magen eine Menge Arbeit.

Eine notwendige Ergänzung zu gutem Essen ist möglichst viel Bewegung. Auch wenn das winterliche Wetter nicht immer einladend ist, wirkt ein längerer Verdauungsspaziergang wahre Wunder, wenn der Magen drückt. So kommt auch der Darm in Schwung und der Stuhlgang wird angeregt. Unterstützen kann man die Verdauung, indem man täglich vor und nach den Mahlzeiten lauwarmes Wasser trinkt. Auch ein Espresso ist nicht verkehrt, denn das Koffein regt die Verdauung und den Stoffwechsel an.

Sind die Beschwerden aber einmal da, gibt es auch Abhilfe, entweder durch nützliche Hausmittel oder durch Mittel aus der Apotheke. Bei Blähungen, Völlegefühl und Übelkeit bewähren sich Tees aus Anis, Fenchel, Kamille, Pfefferminze und Kümmel oder Präparate, die z. B. Artischocke und Mariendistel enthalten. Artischocke und Mariendistel kurbeln die Produktion von Gallensaft an und unterstützen so die Fettverdauung. Medikamente speziell gegen Blähungen enthalten oft die Wirkstoffe Dimeticon oder Simethicon – sie entschäumen und lösen Gasblasen im Darm auf. Bei einem gereizten Magen ist oft auch ein Mittel hilfreich, das die Magensäuresekretion beeinflusst. Auf sanfte, schonende Weise ist dies mit einem enzymatisch wirkenden Mittel möglich. Die zugesetzten Verdauungsenzyme nehmen Einfluss auf die Säureproduktion und optimieren die gesamten Verdauungsvorgänge, indem sie die Aufspaltung der Nährstoffe erleichtern. Wird das Sodbrennen zur Qual, können ein Glas Milch, Möhrensaft, ein geriebener Apfel, Sellerie, Sauerkraut oder in Wasser gelöste Heilerde die überschüssige Magensäure neutralisieren. Gegen Sodbrennen gibt es allerdings auch rezeptfreie Medikamente mit Wirkstoffen wie Kalzium- und Magnesiumkarbonat, Aluminium- und Magnesiumhydroxid, Hydrotalcid und Magaldrat. Diese gibt es als Tablette, Kautablette oder Liquid. Wenn es längere Zeit mit dem Stuhlgang nicht klappen will, stehen unterschiedliche pflanzliche und synthetische Präparate zur Verfügung, wie z. B. Indische Flohsamen oder Medikamente mit Lactose, Macrogol, Bisacodyl oder Natriumpicosulfat. Abführmittel sollten grundsätzlich mit viel Flüssigkeit eingenommen werden. Sind die Verdauungsbeschwerden mit Darmkrämpfen verbunden, empfehlen sich krampflösende Mittel wie Butylscopolamin oder Mebeverin. Bisweilen hilft aber auch schon eine simple Wärmflasche auf dem rebellierenden Bauch.

Neue Ideen für das Leben: Ingeborg L. Weber über Kinesiologie

Neue Ideen für das Leben: Ingeborg L. Weber über Kinesiologie

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Gesunde Medizin sprach mit Ingeborg L. Weber, Heilpraktikerin, Dipl. Gerontologin und erste Vorsitzende des Europäischen Verbandes für Kinesiologie.
Wie sind Sie zur Kinesiologie gekommen?

In einer beruflich sehr schweren Zeit hat mir die Beschäftigung mit Kinesiologe geholfen, eine andere Sicht der Dinge einzunehmen, und die großen Zusammenhänge zu erkennen. Ich entdeckte, dass kleine Dinge Großes bewirken. Da mir eine solide Ausbildung wichtig ist, habe ich zusätzlich die Heilpraktiker-Prüfung gemacht und eine eigene Praxis eröffnet.

Wie finden Klienten zur Kinesiologie?

Im Normalfall schicken Ärzte ihre Patienten zu uns, weil sie bei ihnen nicht weiter wissen. Darüber hinaus kommen viele auf Empfehlung und mit der ganzen Bandbreite von Beschwerden: Menschen, die Unterstützung in einer Lebenskrise oder bei Lernproblemen suchen, bis hin zu chronisch kranken Menschen.

Mit welchen Erwartungen kommen sie?

Manche haben die Vorstellung, dass wir nur ein wenig austesten und schon sind alle Beschwerden weg. Wer allerdings über Empfehlung kommt, weiß, dass sowohl Krankheit als auch Gesundung oder Probleme Prozesse sind, an denen sie sich aktiv beteiligen müssen.

Von welchen Effekten berichten die Klienten?

Sehr viele sagen, sie seien nach einem Termin erleichtert, sie spürten eine Klarheit und wüssten nun, wie es in ihrem Leben weitergeht. Bewegungseinschränkungen sind verschwunden.

Welche gesundheitlichen Effekte hat Kinesiologie?

Kinesiologie ist gesundheits- und lernfördernd, lebensberatend. Sie lässt sich zur Verbesserung des körperlichen, seelischen und geistigen Wohlbefindens einsetzen, als Begleitung von Heilungsprozessen, zur Stressbewältigung und -vermeidung sowie im Sport- und Wellnessbereich.

Welche Rolle spielt der Indikator-Muskeltest?

Er ist ein wunderbares Instrument, um mit dem Körper in Kontakt zu treten und darüber hinaus mit dem ganzen Menschen. Allerdings ist die Anwendung nicht so einfach wie vielfach angenommen. Es liegt in der Kompetenz des Kinesiologen, die richtigen Fragen zu stellen, die entsprechenden Tests durchzuführen und Ergebnisse zu interpretieren. Letztendlich ist er ein Wegweiser für das jeweils geeignete Kinesiologiekonzept.

Wie finde ich einen guten Kinesiologen?

Kinesiologie ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Der Europäische Verband für Kinesiologie setzt sich deshalb für einheitliche Ausbildungsstandards ein. Die Ausbildung umfasst von min. 600 Stunden, eine Prüfung und eine schriftliche Abschlussarbeit.

Zur Person

Ingeborg L. Weber, MSc (Health Sciences), MSc (Child Development), Koordinatorin für den Forschungsschwerpunkt Kinesiologie am Interuniversitären Kolleg für Gesundheit und Entwicklung Graz/Schloss Seggau. Gründung und Leitung der IKA Internationalen Kinesiologie Akademie GmbH. Institut für komplementäre Methoden.

„Durch Meditation wird der Geist friedlich“

„Durch Meditation wird der Geist friedlich“

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Wir leben in stressigen Zeiten. Eine der besten Methoden, Inseln der Ruhe im Alltag zu schaffen, ist die Meditation. Gesunde Medizin sprach mit der Meditationslehrerin und Autorin Maren Schneider.

Wie sind Sie selbst zur Meditation gekommen und welchen Stellenwert hat sie für Sie persönlich?

Schon als Kind hatte ich das Bedürfnis zu meditieren. Nur hatte mir keiner gezeigt, wie es geht. So hab ich mich einfach nur still hingesetzt, meistens im Garten, und hab dann auf den See geschaut. Heute würde ich sagen, ich habe ganz natürlich im Moment verweilt, ohne Absicht – so wie es eigentlich sein sollte. Es hat dann einige Jahre gedauert bis ich jemanden traf, der mir die Meditation erklärte. Es geschah, indem ich jemanden kennen und lieben lernte, der selbst praktizierender Buddhist war. Unser erstes Treffen bestand darin, dass wir zusammen meditierten. Dies war meine erste ,,richtige” Meditation. Dann ging er in ein buddhistisches Kloster und wurde Mönch. Ich folgte ihm für ein paar Wochen ins Kloster und erhielt dort meine ersten konkreten Anweisungen zur Meditation von den dort lebenden Lehrern. Damit begann meine Meditations-Praxis. Das ist nun gut 16 Jahre her. Meditation ist seitdem aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken.

Unter Meditation gibt es ganz verschiedene Vorstellungen. Was ist für Sie der Kern der Meditation?

Ich persönlich praktiziere das so genannte stille Sitzen. Dabei geht es im ersten Schritt darum, den Geist zu sammeln, ganz da zu sein und sich weder in Gedanken oder Außenreizen zu verlieren noch sich in sich selbst zurückzuziehen und von allem abzuschotten. Der eigene Atemstrom bildet dabei den Anker für die Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt und hilft, sich nicht in Gedanken zu verlieren. Aber auch auftauchende Geräusche, Körperempfindungen, emotionale Regungen dienen als Übungsobjekte. Durch einen so gesammelten, präsenten Geist kommen die eigenen Dramen zur Ruhe, der Geist wird friedlich. Aus dieser Klarheit heraus entstehen innere Erkenntnisse, wie die Welt und der Geist funktionieren. Man nennt das ,,Intuitive Einsicht”. Dies ist der zweite Teil der Meditation und stellt sich meist nach einiger Zeit ganz von selbst ein. Es entsteht ein offenes Gewahrsein, eine offene Präsenz, in der alles sein darf, wie es ist und sich die Weite des Geistes zeigt. In dieser Offenheit und Weite des eigenen Geistes verweilt man. Sie sind dann so klar, präsent und frei, als würden Sie auf einem hohen Berggipfel stehen und alles überblicken können.

Viele Menschen verbinden Meditation mit asiatischer Spiritualität. Kann man Meditation auch ohne diesen Kontext erlernen und praktizieren?

Achtsamkeits-Meditation ist ein Training für den Geist, das jedem Menschen jenseits seiner religiösen oder kulturellen Ausrichtung zugänglich ist. Manche Programme, wie das MBSR (Achtsamkeits-basierte Stressreduktion) oder das MBCT (Achtsamkeits-basierte Kognitive Therapie) sind bereits bestens wissenschaftlich evaluiert und finden in Kliniken, Reha- und Gesundheitszentren sowie als Ergänzung zu medizinischen oder psychotherapeutischen Maßnahmen ihre Anwendung. Achtsamkeits-Meditation ist etwas sehr Natürliches, denn wir machen uns vertraut mit der Funktionsweise unseres eigenen Geistes. Dazu braucht man keinerlei spirituellen Hintergrund, sondern vielmehr die Bereitschaft sich auf diesen Selbsterfahrungsweg zu begeben, eine klare Anweisung eines praktisch erfahrenen Lehrers – und Übung, Übung, Übung. Meditation ist keine neue asiatische Entspannungstechnik, sondern harte Arbeit und erfordert Disziplin und Einsatz.

Welchen gesundheitlichen und psychischen Nutzen hat eigentlich die Meditation?

Die Übung der Meditation reduziert bei regelmäßigem Training mit der Zeit Stress. Der Organismus entspannt sich, indem die hausgemachten Dramen im Kopf, das Grübeln, unser Kopfkino sich legen. Es entsteht eine gelassenere Haltung dem Leben gegenüber. Dies hat konkrete Auswirkungen auf unseren Organismus. Übermäßige Stresshormonbelastung reduziert sich, das lässt unser Immunsystem besser arbeiten und damit bessern sich häufig auch stressbedingte sowie chronische Erkrankungen und Schmerzsyndrome. Der Blutdruck und die Blutfettwerte normalisieren sich, ebenso der Schlaf, der durch Stress häufig stark gestört ist. Wer weniger Stress empfindet, dessen Laune steigt meist auch wieder. Das ganze Leben erscheint wieder leichter und machbarer.

Wie lassen sich Meditationstechniken in den Alltag integrieren?

Erst einmal beginnt es damit, dass man das selbst wirklich möchte, darin einen Sinn sieht und sich selbst fest vornimmt zu üben, an leichten wie an schwierigen Tagen. Dann kann es helfen, mal den eigenen Tageszeitplan zu studieren und Zeitfenster zu finden, in denen es täglich realistisch gut in den eigenen Tag passt. Zu Beginn braucht es nicht mehr als 5-10 Minuten Übungszeit, das reicht. Ob man morgens, mittags oder abends übt, ist jedem selbst überlassen. Für die einen ist der frühe Morgen perfekt, die anderen üben lieber abends, wenn die Kinder im Bett sind. Sie setzen sich dann einfach in aufrechter, würdevoller Haltung auf einen Stuhl und fühlen Ihren Atem. Wenn Sie gedanklich abschweifen, bemerken Sie das und kommen Sie dann wieder zum Fühlen Ihres Atems zurück. Für die Zeit stellen Sie sich einen Wecker. Mit der Zeit können Sie dann Ihre Übungszeit immer um ein paar Minuten erweitern, wenn Sie merken, Sie können sich länger sammeln. Machen Sie es so, als würden Sie mit Joggen beginnen: immer ein bisschen länger, mit wachsender Kondition.

Wir danken Ihnen für das Gespräch!
Zur Person

Maren Schneider (www.achtsamkeit-duesseldorf.de) ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, Psychologischer Coach und Meditationslehrerin (MBSR & MCTB). In ihrem Buch ,,Crashkurs Meditation” (GU Verlag, 14,90 Euro) beschreibt sie klar und ,,ohne Schnickschnack”, wie man verschiedene Achtsamkeitsübungen und Meditationsformen erlernen und in den Alltag integrieren kann.

Auswege bei Depression und Müdigkeit

Auswege bei Depression und Müdigkeit

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Exakte Zahlen gibt es nicht, aber man schätzt, dass in Deutschland 5 Prozent der Bevölkerung an einer Depression leiden.
Die Dunkelziffer ist deswegen hoch, weil die Depression entweder nicht erkannt wird oder weil Betroffene ihre Not niemandem offenbaren. Dabei ist Hilfe dringend notwendig: Immerhin sterben 10 bis 15 Prozent der an Depression Erkrankten durch Suizid.
Darüber reden: Psychotherapie
Wie jeder weiß, verschafft es Entlastung, über ein Problem zu reden und beim anderen Verständnis zu finden. Darauf fußen auch Psychotherapien, welche in der Behandlung der Depression mittlerweile große Fortschritte gemacht haben und auf Erfolgsquoten von bis zu 80 Prozent verweisen können. Vor allem die kognitive Verhaltenstherapie scheint sich Studien zufolge gut zur Behandlung zu eignen: Sie geht davon aus, dass die Depression stark mit selbstabwertenden Denkmustern gekoppelt ist, und versucht, in der Selbstwahrnehmung des Patienten alternative, positivere Muster zu verankern.
Ein Kräutlein hilft: Johanniskraut
Bei leichten und mittelschweren Depressionen kann auch ein pflanzlicher Wirkstoff Hilfe bringen. Die zur Mittsommerzeit blühende Pflanze enthält Wirkstoffe wie Hyperforin, Hypericin und verschiedene Flavonoide, welche die Botenstoffe im Gehirn wieder ins Gleichgewicht bringen. Johanniskraut-Extrakt ist allerdings nur hochdosiert wirksam. Die Wirkung setzt nach etwa zwei bis drei Wochen ein.
Richtig schlafen: Nicht zu wenig, nicht zu viel
Der Schlaf ist ein sensibles Thema bei Depressionen. Einerseits kann ein gesunder Schlaf die Symptome einer Depression lindern, andererseits leiden gerade Depressive häufig unter Schlafstörungen. Milde, pflanzliche Schlafmittel mit Baldrian, Hopfen, Melisse, Lavendel und Passionsblume können die Schlafbereitschaft fördern. Es kommt auch auf die Dauer des Schlafs an: Als besonders gesundheitsfördernd erweist sich eine Dauer von sieben bis acht Stunden. Sowohl weniger als auch mehr Schlaf sind der Erholung abträglich.
In schweren Fällen: Antidepressiva
Bei der Depression werden drei Schweregrade unterschieden: leicht, mittelschwer und schwer. Schwere Depressionen können den Einsatz chemischer Antidepressiva notwendig machen. Die Wirkung der Antidepressiva beruht darauf, dass sie den Stoffwechsel der körpereigenen Neurotransmitter wieder ausgleichen.
Es werde Licht: Tageslichtleuchten
Es gibt auch saisonal abhängige Depressionen, die nur bei Lichtmangel auftreten („Winterdepression“). Verantwortlich dafür ist eine vermehrte Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, wohingegen das aktiv machende „Glückshormon“ Serotonin gehemmt wird. Ein wirksames Gegenmittel ist eine im Handel erhältliche Tageslichtleuchte, die das Lichtspektrum des Sonnenlichts simuliert. Morgens beim Aufstehen angewandt, vertreibt die Lichttherapie wirksam die Müdigkeit.
Depression – Was ist das?
Eine Depression ist eine psychische Erkrankung, die sich in einer anhaltenden gedrückten Stimmung äußert. Weitere Symptome: eine Hemmung von Antrieb und Denken, Interessenverlust sowie körperliche Symptome, die von Schlaflosigkeit über Appetitstörungen bis hin zu Schmerzzuständen reichen. Weiterhin zeigt sich die Depression in einer schweren, lähmenden Müdigkeit. Auch Reizbarkeit und Jähzorn gehören zu den typischen Symptomen. Erbliche und umweltbedingte Faktoren wirken bei der Entstehung zusammen: So reagieren Betroffene offenbar besonders verletzlich auf psychische Belastungen, körperlich zeigt sich dies in Störungen des Neurotransmitter-Stoffwechsels im Gehirn. Neurotransmitter sind psychisch wirksame Botenstoffe.
Multitalent Blut: Wissenswertes über den roten Kraftstoff

Multitalent Blut: Wissenswertes über den roten Kraftstoff

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Sauerstofflieferant, Schutzpolizei, Müllabfuhr und Nachrichtennetz: Das menschliche Blut hat eine ganze Reihe lebenswichtiger Aufgaben.

Beim erwachsenen Menschen werden rund fünf bis sechs Liter Blut innerhalb von 20 bis 60 Sekunden über die insgesamt 1400 Kilometer lange Strecke der Blutgefäße im ganzen Körper verteilt, in Leber, Niere und Darm, in Muskeln und Lunge, von der Nagelhaut am kleinen Fußzehen bis zur Haarwurzel am Kopf.

Vom Lieferanten zur Müllabfuhr

Die Atmung ist wohl die wichtigste Funktion, die das Blut aufrecht erhält. So wie jedes Feuer Sauerstoff braucht, um zu brennen, benötigt der Körper ihn, um aus dem Nahrungszucker Energie zu gewinnen. Diese Versorgung übernehmen die roten Blutkörperchen, auch Erythrozyten genannt. Sie machen knapp die Hälfte der gesamten Blutmenge aus – rund 30 Billionen Zellen. Und sie sind so gebaut, dass sie den Sauerstoff nicht nur aufnehmen, sondern mit Hilfe von Enzymen auch rasch wieder dort abladen können, wo er gebraucht wird. Es ist ein Tauschgeschäft: Der Erythrozyt gibt Sauerstoff ab, erhält dafür das Abfallprodukt Kohlendioxid und verwandelt sich vom Lieferanten in die Müllabfuhr. Das Kohlendioxid wird zur Lunge gebracht und ausgeatmet.

Die roten Blutkörperchen sind beim gesunden Menschen wahre Akrobaten. Mit 7,5 Mikrometern Größe zwar winzig klein, aber immer noch eineinhalb Mal so groß wie die dünnsten Blutgefäße, die Kapillaren – sie sind nur vier bis fünf Mikrometer weit, also zehnmal dünner als ein Menschenhaar. Um diese Gefäße zu versorgen, rollen sich die Erythrozyten zu rohrpostartigen Zigarren zusammen, bringen Sauerstoff, entsorgen Kohlendioxid und regeln den Wärmeaustausch.

Bei Hitze, schwerer Arbeit oder beim Sport droht der Organismus zu überhitzen. Und schon wird die Klimaanlage Blut aktiv: Das Blut speichert Wärme und transportiert sie zu den Kapillaren in der Haut, um sie an die Umwelt abzugeben. Schweiß sorgt durch die Verdunstungskälte für zusätzliche Kühlung der Haut.

Die Blutgerinnung ist eine weitere wichtige Aufgabe für das Blut. Die kleinsten Blutzellen, die Blutplättchen oder Thrombozyten, sind dafür zuständig. Bei einer Verletzung reagieren die Blutplättchen im Zusammenwirken mit Eiweißstoffen und Enzymen wie Sekundenkleber: Ein Blutgerinnsel entsteht, das Verletzungen der Haut dicht abschließt. Allerdings kann dieses Reparatursystem auch lebensgefährlich werden: Wenn nämlich Ablagerungen in den Arterien aufreißen, über die Blutgerinnung geschlossen werden und dadurch die ganze Arterie blockiert wird, wie beispielsweise beim Herzinfarkt.

Die Schutzpolizei des Körpers

Eine Vielfalt von Abwehrzellen bildet das Immunsystem, dessen spezialisierte Zellen im Blut und in der Lymphe kursieren: Leukozyten nennt man die weißen Blutzellen, von denen es Spezialisten gibt wie die Eiweißmoleküle des Komplementsystems, die fremde Organismen vernichten. Oder Makrophagen (Fresszellen), die Erreger aufspüren und fressen. Oder die Lymphozyten, die ständig gleichsam mit dem Steckbrief bestimmter Erreger im Körper unterwegs sind und diesen bei erneutem Auftauchen sofort „verhaften“ und unschädlich machen.

Es gibt noch viele spezielle Stoffe, die das menschliche Blut durch den Körper trägt. Eiweißstoffe zum Transport von Nahrungsfetten zum Beispiel. Oder Antikörper, die dem Arzt sagen, ob eine Infektion mit Hepatitis oder Diphterie stattgefunden hat. Wie gesagt: Ein wahres Wunder.

Blut ist nicht gleich Blut

Insgesamt gibt es mehr als 200 verschiedene Blutgruppen, die in 16 Systeme unterteilt werden. Am wichtigsten sind die Blutgruppen des so genannten AB0-Systems: A, B, AB oder 0, damit werden die charakteristischen Moleküle bezeichnet, die auf den roten Blutkörperchen sitzen. Typ A ist hierzulande mit 42 Prozent am häufigsten, Typ 0 kommt bei 38 Prozent, Typ B bei 13 Prozent der Menschen vor, AB haben 7 Prozent. Wichtig ist die Blutgruppe etwa bei Blutübertragungen: Das Blut eines Menschen vom Typ A greift zum Beispiel Spenderblut vom Typ B an.

Künstliches Blut

Forscher arbeiten schon viele Jahre daran, eine Alternative zur Blutkonserve zu entwickeln. Bis jetzt konnte noch kein Produkt die Hürde der Zulassung überwinden.

Ayurveda – Interview mit Kerstin Rosenberg

Ayurveda – Interview mit Kerstin Rosenberg

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“Ayurveda ist nicht kompliziert, aber komplex.” Gesunde Medizin im Gespräch mit Kerstin Rosenberg von der Europäischen Akademie für Ayurveda.
Wie sind Sie zum Ayurveda gekommen?

Ich begann mit 14 Yoga bei einem Yogalehrer aus einer alten ayurvedapraktizierenden Familie. Mit 18 besuchte ich das erste Mal Indien und hatte das Glück, dort den authentischen Ayurveda in den Familien kennenzulernen. Es war Liebe auf den ersten Blick und ich war fasziniert, wie sich mit Ayurveda der Alltag besser gestalten lässt. Zu Hause betrieb ich mit Studienfreunden ein Yogazentrum und gab ayurvedische Beratung. Und bin schließlich dabei geblieben.

Woran erkennt ein Klient das „echte“ Ayurveda?

Der wichtigste Indikator ist immer, dass der Mensch behandelt wird. Ayurveda ist nicht kompliziert, aber komplex. Am Anfang sollte immer eine Anamnese stehen. Das ist nicht nur der Konstitutionstest, sondern auch die Fragen nach dem Anliegen, den Problemen und Stärken des Klienten. Eine Massage sollte nicht immer nach dem gleichen Schema erfolgen, sondern auf die Bedürfnisse abgestimmt sein: Braucht die Person eher Entspannung und sanfte Berührungen, welches Öl ist passend? Das sind alles Kleinigkeiten. Ayurveda ist überall dort, wo die Prinzipien und das System verstanden wurden – auch wenn es an den westlichen Kulturkreis angepasst wurde.

Wie findet man einen guten Therapeuten?

Am besten sind Empfehlungen von Freunden oder von Ärzten. Auf der Internetseite des Berufsverbandes Europäischer Ayurveda-Mediziner und -Therapeuten e. V. (www.ayurveda-verband.eu) finden Interessierte eine Übersicht von Therapeuten, die die hohen Ausbildungsstandards des Verbandes erfüllen. Auch das eigene Bauchgefühl und die Zufriedenheit sind Anhaltspunkte. Ein guter Therapeut wird zum Beispiel nie Heilversprechen machen.

Welchen Tipp haben Sie für die Leser?

Für Einsteiger empfiehlt sich ein Kochkurs oder eine ayurvedische Beratung. Wer etwas mehr schnuppern möchte oder ein konkretes Anliegen hat, ist gut bei einer drei-bis fünftätigen Kur aufgehoben.

Wir danken Ihnen für das Gespräch!
Kerstin Rosenberg

.verfügt über langjährige Praxis- und Unterrichtserfahrung in ayurvedischer Ernährung und Psychologie. Gemeinsam mit ihrem Mann leitet sie die Europäische Akademie für Ayurveda mit angeschlossenem Kurzentrum (www.ayurveda-akademie.org) in Birstein. Sie ist Autorin vieler Ayurveda-Bücher und bloggt zu aktuellen Ayurveda-Themen auf www.rosenberg-ayurmed.com.